New York (dpa) - Der teilverstaatlichte US-Versicherer AIG muss auf seinem Weg aus der Krise einen weiteren Milliardenverlust hinnehmen. Der an Krebs erkrankte, aber weiterarbeitende Konzernchef Robert «Ben» Benmosche zeigte sich am Freitag trotzdem zufrieden.

Abschreibungen im Zuge diverser Firmenverkäufe, die Rückzahlung eines Notenbank-Kredits sowie der Wertverfall von Flugzeugen in der Leasingsparte ILFC haben im dritten Quartal unterm Strich zu einem Minus von 2,4 Milliarden Dollar geführt. Im Vorjahreszeitraum hatte AIG noch einen kleinen Gewinn von 92 Millionen Dollar erwirtschaftet.

«Die verbleibenden Versicherungsgeschäfte von AIG liefern solide Ergebnisse ab», sagte Benmosche. Im Wesentlichen sind das die US-Töchter Chartis und SunAmerica. Dagegen hatte sich AIG vom Großteil seines asiatischen Geschäfts getrennt, um seine Schulden beim Steuerzahler zurückzahlen zu können. Zuletzt hatte AIG seine Tochter AIA an die Börse gebracht.

Die Regierung hatte den Allianz-Konkurrenten in der Finanzkrise mit der Rekordsumme von 182 Milliarden Dollar vor dem Untergang bewahrt und hält seitdem die Mehrheit am Unternehmen. Vorrangiges Ziel von Benmosche ist, dass der einst weltgrößte Versicherungskonzern wieder auf eigenen Beinen stehen kann. AIG schuldet dem Steuerzahler nach einer jüngst veröffentlichten Aufstellung des Finanzministeriums noch 120,6 Milliarden Dollar.

AIG hatte sich mit komplizierten Finanzkonstrukten am US- Häusermarkt verspekuliert. Diese risikoreichen Geschäfte wickelt der Konzern nach und nach ab, auch wenn sie momentan Geld einbringen. Der Einbruch der Märkte im Jahr 2008 hatte gezeigt, wie gefährlich derartige Spekulationen sein können. AIG hatte mit 99,3 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte angehäuft.

Der von der Regierung geholte Konzernchef Benmosche soll es nun richten. Jüngst machte der 66-Jährige jedoch seine Krebserkrankung öffentlich. Trotz einer belastenden Chemotherapie will er im Amt bleiben. Zur Not soll ihn der Verwaltungsratsvorsitzende Steve Miller übergangsweise als Chef ersetzen.

An den Managern hängt viel: Bis zum März kommenden Jahres will das AIG-Management den Konzern so weit umgebaut haben, dass der Staat Stück für Stück seine Aktien unters Volk bringen kann. Letzten Endes will die Regierung aus der Rettungsaktion sogar mit einem Gewinn herausgehen. Der Kurs von AIG hat sich gegenüber der heißen Phase der Finanzkrise deutlich erholt. Der neuerliche Milliardenverlust kam bei den Aktionären aber gar nicht gut an. Vorbörslich sank das Papier um 3 Prozent.