New York/Berlin (dpa) - Haile Gebrselassie hat bei seinem ersten und letzten Start beim New-York-Marathon die Schlagzeilen dominiert. Nicht mit einem Sieg, sondern dem unerwarten Abschied vom Laufsport. Die Konkurrenz huldigte dem Äthiopier, der seine Entscheidung mitten im Rennen traf.

Haile Gebrselassie ist sportlich am Ende - und die gesamte Laufszene nach dem Abschied des Idols traurig: Unter Schmerzen im rechten Knie endete eine der größten Karrieren in der Leichtathletik-Geschichte ebenso abrupt wie unerwartet auf der New Yorker Queensboro Bridge.

«Ich habe es nicht mit meinem Manager diskutiert, mit niemandem sonst, sondern mit mir selbst. Und ich denke, dass es besser ist, hier aufzuhören», sagte der 37-jährige Äthiopier unter Tränen, nachdem er seine Entscheidung verkündet hatte. «Er ist wahrscheinlich der größte Langstreckenläufer aller Zeiten», erklärte der New Yorker Vorjahressieger Meb Keflezighi. Der aus Eritrea stammende Amerikaner, der 2004 in Athen Olympia-Zweiter war, betonte: «Von fünf Kilometern bis hin zum Marathon muss er nichts mehr beweisen.»

Lamine Diack, der Präsident des Welt-Leichtathlatik-Verbandes IAAF, stimmte am Montag ein: «Sportheld, Legende, Genie! Es ist praktisch unmöglich, seinen Status als Superstar zu überzeichnen. Für Millionen auf der Welt ist er mehr als eine Sport-Ikone», erklärte Diack. Der überaus beliebte Gebrselassie sei ein Beispiel dafür, wie man sein Leben mit der größtmöglichen Würde bewältige.

Noch vor kurzem hatte Gebrselassie Rücktrittsgedanken von sich geschoben. Ein Start beim Tokio-Marathon am 27. Februar war das nächste Ziel, Marathon-Gold 2012 in London der letzte große Traum. Gebrselassie wollte in die Fußstapfen seines legendären Landsmanns Abebe Bikila treten. 2008 war er in Peking der Konkurrenz aus dem Weg gegangen, über 10 000 Meter Sechster geworden und hatte wenig später in Berlin seinen Marathon-Weltrekord auf 2:03:59 Stunden geschraubt.

Hoch über dem East River, kurz vor Manhattan, tat dem Weltrekordler sein Knie nach 24 Kilometern aber zu weh. Gebrselassie hatte gehofft, die Beschwerden nach dem Flug seien nichts Ernstes. Bei einer Untersuchung am Vortag wurden Sehnenprobleme und Flüssigkeit festgestellt. «Er hatte ein ernsthaftes Knieproblem und wollte sehen, ob es sich beruhigt», erklärte Renndirektorin Mary Wittenberg.

«Ich habe nie an Rücktritt gedacht. Heute war zum ersten Mal der Tag. Lasst mich aufhören und andere Arbeit machen. Lasst mich den Jungen eine Chance geben», erklärte das Lauf-Idol, das auf seinen letzten Metern noch den späteren Sieger Gebre Gebrmariam anfeuerte, nicht mehr ihm zu folgen, sondern der Spitzengruppe. «Ich bin sehr, sehr traurig», sagte der Landsmann nach dem Coup in seinem ersten Marathon. «Haile ist etwas Besonderes. Haile ist der große König. Auch wenn er aufhört, können wir so viele Dinge von ihm lernen.»