Wiesbaden/Berlin (dpa) - Nach zwei eher mageren Monaten hat die deutsche Exportwirtschaft im September wieder Boden gutgemacht. Die Ausfuhren stiegen auf Monatssicht kräftig um 3,0 Prozent und erreichten den höchsten Wert seit Oktober 2008, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

«Der Export ist und bleibt das Zugpferd der konjunkturellen Erholung», betonte Anton F. Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. Gleichzeitig sanken die Einfuhren um 1,5 Prozent. Verglichen mit dem September des Krisenjahres 2009 legten die Exporte um 22,5 Prozent zu, die Importe um 18,0 Prozent.

Während die Warenausfuhr im September brummte, sank die Gesamtproduktion im Inland. Auf Monatssicht ging sie preis- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent zurück, wie das Wirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. Dabei musste der Industriesektor Federn lassen (minus 0,9 Prozent). Dagegen nahm die Produktion am Bau und im Energiesektor um 0,4 beziehungsweise 1,2 Prozent zu.

Trotz des Rückgangs sei die Gesamterzeugung tendenziell aufwärtsgerichtet, kommentierte das Ministerium die neuen Zahlen. «Im dritten Quartal konnte der Ausstoß noch einmal über das Niveau des wachstumsstarken zweiten Quartals gesteigert werden.» Insgesamt habe die Produktion im dritten Quartal um 1,5 Prozent zugenommen. Allerdings habe die Dynamik zuletzt nachgelassen.

Auch aus Sicht von Volkswirten wird sich der Aufwärtstrend - wenn auch abgeschwächt - fortsetzen. «Der Aufschwung in der Industrie hat in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt verloren, kommentierte die Commerzbank. DIHK-Konjunkturexperte Dirk Schlotböller sieht keinen Grund zur Schwarzmalerei: «Die Unternehmen investieren weiter und stellen ein. Und das machen sie, weil sie weiter von einer günstigen Auftragsentwicklung ausgehen.»

Insgesamt führte Deutschland im September Waren im Wert von 86,9 Milliarden Euro aus und Waren im Wert von 70,1 Milliarden Euro ein. Damit erreichten die Ausfuhren erstmals wieder das Vorkrisenniveau. Nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise waren die Exporte von Oktober auf November 2008 um fast 13 Prozent auf 76,1 Milliarden Euro abgestürzt.

In den ersten neun Monaten des Jahres verkaufte die deutsche Exportindustrie insgesamt Waren im Wert von 703,2 Milliarden Euro ins Ausland nach 591,0 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum (plus 19,0 Prozent). Der BGA hatte kürzlich für das Gesamtjahr 2010 ein Exportwachstum um 16 Prozent auf 937 Milliarden Euro vorhergesagt. 2011 solle dann das Vorkrisenniveau nicht nur erreicht, sondern überflügelt werden - und zum ersten Mal in der Geschichte die Exportmarke von einer Billion Euro durchbrochen werden.