Paris (dpa) - Die Jury des begehrten Literaturpreises Prix Goncourt hat den Bestseller- und Skandalautor Michel Houellebecq lange zappeln lassen. Mehrmals war er als Favorit dem Ziel nahe.

Mit seinem jüngsten Roman «La carte et le territoire» (etwa: «Die Landkarte und der Landstrich) hat er die Schlacht um die wichtigste literarische Auszeichnung Frankreichs endlich gewonnen.

Der Sieg war jedoch keine Überraschung. Seit Wochen wird der Roman von der Kritik fast einstimmig mit Lobeshymnen überschüttet, was bisher für ein Buch von Houellebecq noch nie vorgekommen ist. Denn seit den «Elementarteilchen» sorgte jedes Werk des 52-Jährigen für Skandale und Kritik. Auch dass Houellebecq zur Verkündung - insgesamt gab es noch drei Konkurrenten - von Irland, wo er lebt und arbeitet, eigens nach Paris angereist kam, zeigte, dass er sich seines Preises durchaus sicher war.

Das Buch ist für Houellebecq, dessen Werke für ihre Obszönitäten, Provokationen und angeblichen Rassismus bekannt sind, erstaunlich brav. Im Mittelpunkt des Romans steht der Maler Jed Martin, der den Text für seinen Ausstellungskatalog von einem berühmten Schriftsteller verfassen lassen möchte, wobei für ihn nur einer infrage kommt: Michel Houellebecq.

Die Geschichte endet mit der Ermordung Houellebecqs, der im Haus seiner Kindheit von einem perversen plastischen Chirurgen mit einem Laserschneider zerstückelt wird.    

Martin ist wie Houellebecq: ein Einzelgänger, Zyniker und nicht immer sehr umgänglich. In seinen Arbeiten, zunächst als Fotograf, dann als Maler, kritisiert er die heutige Gesellschaft, das Diktat des Konsums, die Macht des Geldes, überholte Konventionen und Traditionen.

Böse Zungen behaupten, Houellebecq habe sein Werk auf den Preis hin zugeschrieben. «Die Goncourt-Juroren können fast nicht anders. Sie müssen einem Roman, der alles hat, um zu gefallen, nur wohlgesinnt gegenüber sein», schrieb der Kritiker Pierre Assouline. Und so war unter seinen Kollegen einhellig von Meisterwerk, Vollendung und literarischer Tiefe die Rede.