Dresden (dpa) - Eine spezialisierte Behandlung von Patienten mit Diabetischem Fuß kann nach Erfahrung Dresdener Ärzte große Fuß- und Beinamputationen vermeiden.

Damit stiegen Überlebenschance und Lebensqualität der Patienten, betonten die Mediziner. Sie stellten am Montag in Dresden zum Weltdiabetestag (14. November) eine wissenschaftliche Studie vor, die diese Beobachtung stützt.

Für die Studie waren 172 Patienten mit Problemen infolge von Durchblutungsstörungen über ein Jahr lang beobachtet worden. 75 Prozent überlebten ohne Großamputation. Ihre Gliedmaßen konnten durch die Behandlung von Druckstellen und Wunden sowie durch kleinere Amputationen gerettet werden. 20 Prozent starben, die restlichen 5 Prozent lebten nur mit einem oder ohne Bein, sagte Prof. Sebastian M. Schellong.

«Chronische Fußwunden sind eine der schwerwiegendsten Komplikationen bei Diabetes», sagte Oberarzt Hannes Rietzsch. Der sogenannte Diabetische Fuß tritt bei etwa 15 Prozent der Diabetiker auf. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel führe zu Mangelversorgung und Nervenschädigung. «Der Patient spürt keinen Schmerz und nimmt kleine Verletzungen nicht rechtzeitig wahr.» Durchblutungsstörungen führten zum Absterben von Gewebe. Bei zu später oder nicht optimaler Behandlung drohten der Verlust des Fußes oder sogar des Beins.

Die Studie zeige, dass dieses mit strukturierter interdisziplinärer Behandlung durch ein spezialisiertes Team aus Ärzten, Schwestern, Physiotherapeuten, Podologen und Schuhmachern vermieden werden kann, erklärte Prof. Schellong. Wichtig dafür seien die Mitarbeit der Patienten, die Sensibilisierung der Hausärzte und Kliniken für das Krankheitsbild, der Angehörigen für eine rechtzeitige Behandlung und der Krankenkassen für die nötige Finanzierung. Diese müssten ihre Behandlungsangebote dahingehend ausweiten, forderte Rietzsch.

Das pauschale Vergütungssystem reiche nicht aus, die Klinik mache mit der Behandlung Verluste. Bisher sei die Bitte um Unterstützung aber bei den Krankenkassen ungehört verhallt. «Es braucht eine Vergütung, die es gestattet, Ärzte, Schwestern und Podologen zu bezahlen», mahnte auch Prof. Schellong. Denn die spezielle Behandlung der betroffenen Diabetiker könne den Anteil der Amputationen oberhalb des Fußgelenks von 50 auf 10 Prozent drücken.