Madrid (dpa) - Die Sportnation Spanien steht unter Schock. Als wären Wirtschafts- und Schuldenkrise nicht schon genug, macht das Land nun auch noch wegen eines riesigen Leichtathletik-Dopingskandals mit 14 Festnahmen international negative Schlagzeilen.

Dabei hatten die Iberer nach Erfolgen wie dem WM-Titel im Fußball oder dem Wimbledon-Sieg Rafael Nadals monatelang das «Goldene Zeitalter» des spanischen Sports gefeiert. «Das ist der Todesstoß für unsere Leichtathletik», meinte nun das Fachblatt «Sport».

Im Mittelpunkt der Ermittlungen der «Operación Galgo» (Operation Windhund) steht der umstrittene Mediziner Eufemiano Fuentes, der schon 2006 die Schlüsselfigur im großen Radsportskandal der «Operación Puerto» (Operation Bergpass) gewesen war. Mit seiner Schwester Yolanda, die ebenfalls Ärztin ist, soll der 55-Jährige laut den Ermittlungen der Guardia Civil in Zusammenarbeit mit Trainern Dopingpläne für mehrere Sportler entworfen haben. Zum Einsatz seien dabei EPO, Anabolika, Steroide und auch Eigenbluttransfusionen gekommen.

Dies nährt zugleich einen schlimmen Verdacht: Schon 2006 hieß es, nicht nur Radsportler hätten die Dienste von Fuentes in Anspruch genommen. Beweise gab es dafür bislang aber nicht. Der frühere Vorsitzende der spanischen Antidopingkommission, Guillermo Jiménez, sagte: «Es gibt in Spanien ein Dopingnetzwerk. Ihm gehören Ärzte und Sportler an, die unseren Sport beschmutzen.»

Der deutsche Spitzenfunktionär Thomas Bach hat zufrieden auf die Aufdeckung des neuen Doping-Skandals reagiert. «Es zeigt, dass die neue Gesetzgebung in Spanien funktioniert», sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Nachrichtenagentur dpa. «Ich hoffe, dass die entsprechenden Konsequenzen gezogen und die Unterlagen zur Verfügung gestellt werden.» Bach erklärte zudem: «Mich freut, dass an die Hintermänner rangegangen und dadurch ein Sumpf trockengelegt wird.» Er hoffe, dass darüber hinaus in einer engen Zusammenarbeit mit den Sportorganisationen «die entsprechenden Sanktionsmaßnahmen getroffen werden können».

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte auf Anfrage mit, dass es «jede Initiative von nationalen Behörden bei Untersuchungen und Maßnahmen gegen mögliche Dopingaktivitäten» begrüße.

Dass ausgerechnet Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Domínguez in den Skandal verwickelt sein soll, stößt die Spanier zusätzlich vor den Kopf. Zumal die gefeierte Läuferin im Lichte der Ermittlungen nun als abgebrühte Dealerin dasteht, die andere Sportler mit Dopingmitteln versorgt haben soll. Darauf stehen bis zu zwei Jahre Haft. In ihrer Wohnung seien verdächtige Substanzen mit verschlüsselten Etiketten gefunden worden, hieß es.