Berlin (dpa) - Nach heftigen parteiinternen Angriffen auf die FDP-Spitze ist die Berliner Parteizentrale bemüht, FDP-Chef Guido Westerwelle aus der Schusslinie zu bringen. Generalsekretär Christian Lindner sagte, man mache es sich zu einfach, wenn man die Verantwortung bei einem Menschen ablade.

Die FDP handele als Team. Am Wochenende hatte Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki mit seiner massiven Kritik am Zustand der Bundespartei und ihrer Führung Ärger und Entrüstung in den eigenen Reihen ausgelöst.

Auch am Montag erntete Kubicki heftigen parteiinternen Widerspruch. Er musste sich Geltungssucht vorwerfen lassen. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Es ist nicht immer hilfreich, wenn sich manche persönlich profilieren wollen.» Lindner bekräftigte nach der FDP- Präsidiumssitzung seine Kritik an Kubickis Äußerungen: «Schrille Töne helfen nicht, souverän als Regierungspartei zu agieren.»

Einhellige Meinung im FDP-Präsidium sei, dass Kubickis Kritik «maßlos» und seine Formulierungen «nicht angemessen» gewesen seien, sagte Lindner. Kubicki hatte bemängelt, die an der Berliner Regierung Beteiligten nähmen den Zustand der Partei kaum wahr. Westerwelle hat beim traditionellen Dreikönigstreffen am 6. Januar in Stuttgart Gelegenheit, die parteiinterne Stimmung zu heben.

Kubicki hatte im Magazin «Der Spiegel» den seiner Ansicht nach desolaten Zustand der FDP beklagt und einen Vergleich der FDP-Krise mit der Spätphase der DDR gezogen. «Es kann passieren, dass auch die FDP in sich selbst zusammenfällt», sagte er. In bundesweiten Umfragen bekommt die FDP derzeit gerade einmal vier bis fünf Prozent. Im kommenden Jahr stehen sieben Landtagswahlen an.

Lindner zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit, die sich an der FDP-Basis breitmacht. «Die Erwartung war, es gibt schnell auch spürbare Reformschritte», sagte er. Diese hätten sich aber zu spät eingestellt. «Ich sehe dass die FDP harte Arbeit vor sich hat, Zustimmung und Glaubwürdigkeit sich wieder zu erarbeiten», sagte Lindner. Nicht die Beschäftigung mit sich selbst, sondern solide Arbeit bringe die Partei weiter: «Es geht nicht nur um eine Diskussion um den Trainer - Tore müssen fallen.»

Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mahnte in der «Augsburger Allgemeinen» (Dienstag): «Unser gemeinsames Ziel, als Liberale Motor für Ordnungs- und Bürgerrechtspolitik zu sein, bedarf der wechselseitigen Unterstützung - und nicht der wechselseitigen Schuldzuweisung.»