Stockholm/London (dpa) - «Playboy» in modischer Kleidung, rechthaberisch, hochbegabt und im Internet auf der Suche nach einer Zweitfrau: Das Dunkel um den Selbstmordattentäter von Stockholm hat sich ein Stück weit gelichtet, ohne dass die entscheidende Frage beantwortet wäre:

Was bringt einen 28-jährigen Vater von drei Kindern dazu, mit Sprengstoff bepackt den Mord an möglichst vielen Menschen beim Weihnachtseinkauf anzustreben und das eigene Leben dabei wegzuwerfen?

Die Stockholmer Fahnder hielten sich mit Angaben über den toten Attentäter weiter betont zurück. «Wir gehen davon aus, dass er Mithelfer hatte», erklärte Staatsanwalt Thomas Lindstrand. Das war's schon fast. Und dass der Anschlag, bei dem gottlob nur zwei Passanten leicht verletzt worden waren, wohl durch einen Fehler des Täters für alle Anderen glimpflich ausgegangen ist: Eine der ihm umgeschnallten sechs Rohrbomben war zu früh detoniert.

Der 1981 geborene Taimur Abdulwahab al-Abdali war mit seinen irakischen Eltern als Zehnjähriger nach Schweden gekommen. 2001 zog er als Student in die englische Stadt Luton, wo der muslimische Bevölkerungsanteil bei 15 Prozent liegt. Von hier zeichneten Medien-Informationen über den Attentäter das Bild eines verblendeten jungen Mannes, der eine Art Doppelleben führte. Für die Nachbarn war er der nette Herr von nebenan.    

«Er war immer freundlich», sagte ein Nachbar in der Stadt bei London. Bekannte berichteten dem Nachrichtensender Al-Arabija, Al-Abdali sei von seinen Freunden wegen modischer Kleidung aufgezogen worden. Sie hätten ihm den Spitznamen «Playboy» verpasst. Auch Fotos aus Facebook und anderen Internetquellen zeigen einen gut aussehenden, ziemlich fröhlich wirkenden jungen Menschen.    

In Tranås im idyllischen mittelschwedischen Bezirk Småland schilderte ihn eine jetzt 25-jährige Ex-Freundin als «lebensfroh, immer mit einem Lachen auf dem Gesicht». Ein Ex-Lehrer bescheinigt ihm «überdurchschnittliche Begabung», ein Ex-Schulkamerad allerdings auch einen ausgeprägten Hang zum Rechthaberei.    

Niemand in Schweden konnte den lebensfrohen Teenager Taimur mit dem Selbstmordattentäter und potenziellen Massenmörder mit Wohnsitz Luton unter einen Hut bringen. Dass er in der Zwischenzeit radikalislamistische Ausbildungslager für Terroristen in Pakistan besucht hat, berichtete al-Abdali in seiner «Abschiedsbotschaft».