Kundus/Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat seine Ehefrau auf einen Truppenbesuch in Afghanistan mitgenommen und damit heftige Kritik der Opposition ausgelöst.

Neben Stephanie zu Guttenberg zählten auch zwei CDU-Ministerpräsidenten sowie Fernsehmoderator Johannes B. Kerner zur Delegation. Kerner zeichnete am Standort Masar-i-Scharif für Sat.1 eine Talkshow mit dem Minister und Soldaten auf. SPD, Grüne und Linke warfen dem Minister Selbstinszenierung auf Kosten der Soldaten vor.

Vor diesem Hintergrund legte die Bundesregierung am Montag erstmals nach neun Jahren Afghanistan-Einsatz einen «Fortschrittsbericht» vor. Ein genauer Abzugstermin für die deutschen Soldaten ist weiterhin offen.

Bei ihrer Visite trafen die Guttenbergs mit Soldaten in Masar-i-Scharif und in der Unruheregion Kundus zusammen. «Das ist kein spaßiger Ausflug, das ist bitterer Ernst», sagte Stephanie zu Guttenberg. Sie habe ihren Ehemann schon immer auf einer seiner Reisen an den Hindukusch begleiten wollen, sagte sie im Feldlager in Kundus. Nach Angaben der Bundesregierung zahlt Stephanie zu Guttenberg ihre Reisekosten selbst.

Guttenberg ist der erste deutsche Minister, der seine Ehefrau mit ins Einsatzgebiet nimmt. Im Frühjahr war bereits der damalige Bundespräsident Horst Köhler in Begleitung seiner Ehefrau zu einem Truppenbesuch in Nordafghanistan. Eine umstrittene Äußerung in einem Interview auf dem Rückflug nach Deutschland wurde später zu einem Grund für Köhlers Rücktritt.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte den Besuch der Guttenbergs «absolut unangemessen». SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach von «einer Amerikanisierung der Politik», bei der die Inszenierung wichtiger sei als der Inhalt. ««Mit dieser Entourage macht zu Guttenberg sich immer mehr zum Staatsschauspieler», sagte Nahles dem «Hamburger Abendblatt» (Dienstag).

Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Guttenberg vor, er nutze die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern «für plumpe Eigen-PR». Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sagte dem «Tagesspiegel» (Dienstag): «Afghanistan ist das letzte Land, dass sich für Showbusiness und Entertainment eignet.»