Berlin/Venedig (dpa) - Hanna und Simon sind seit rund 20 Jahren miteinander glücklich. Doch dann verlieben sich beide in denselben Mann. Davon handelt das neue Werk «Drei» des 45-jährigen Tom Tykwer. Über seinen Film, über Neugier und Offenheit in Beziehungen sprach Tykwer, einer der bekanntesten deutschen Regisseure, mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Ist eine Dreierbeziehung in der Realität wirklich möglich oder bleibt sie mehr ein Wunschgedanke?

Tom Tykwer: «Der Film ist kein Plädoyer für eine Dreierbeziehung. Es geht vielmehr um eine gewisse Offenheit, die wir uns bewahren müssen, gemessen an unserer Erkenntnisdichte. Denn ich habe immer das Gefühl, dass wir in der eigenen Wahrnehmung viel weiter sind, als wir es faktisch zu leben hinkriegen. Wir sind oft viel verwurzelter, durch die ganzen anerzogenen, bürgerlichen, konservativen Zwangsvorstellungen von der Art, wie das Leben zu sein hat. Und gleichzeitig haben wir ziemlich viel Kenntnis über unsere sonstigen Bedürfnisse. Das in Einklang zu bringen, ist schwer. Man sollte sich hin und wieder aber klar machen, dass es nicht strafbar ist, sich mit seinen Gefühlen und Trieben auseinanderzusetzen. Es ist kein sofortiger Verrat an den Menschen, die mich umgeben, wenn ich mir zugestehe, dass ich auch noch ein Auge für die anderen habe.»

In «Drei» geht es auch darum, dass man im Leben - unabhängig vom Alter - innehält und sich fragt, was war und was noch kommen könnte.

Tom Tykwer: «Ich finde, es ist ein Film, der vom wie auch immer empfundenen Erwachsensein handelt. Von Menschen, die jetzt in der Verantwortung sind, ihr eigenes Leben zu gestalten. Sie sind die Gestalter, das Leben wird nicht mehr für sie gestaltet. Es geht um Menschen, die vielleicht behaupten, irgendwo angekommen zu sein, und gleichzeitig feststellen, dass das nur eine Behauptung ist. Es ist eben oft viel fragiler, als man sich das gedacht hat. Die Idee des Ankommens trägt ja oft auch etwas Bedrohliches in sich: Immerhin wird damit postuliert, dass man nicht mehr experimentieren kann, dass man mit seiner Neugier zu Hause bleiben muss und dass das triebhafte, suchende Leben verboten ist. Da geht der Film ein bisschen dagegen.»

Warum haben Sie sich entschieden, wieder einen Film in Deutschland zu drehen?

Tom Tykwer: «Ich habe mich nicht bewusst entschieden: "Jetzt will ich wieder einen deutschen Film machen". Es war vielmehr so, dass ich den Stoff schon lange im Kopf hatte und lange Zeit entwickelt habe. Irgendwann habe ich gemerkt, dass er reif ist, bereit gemacht zu werden. Ich wollte auch gerne wieder in Deutschland drehen, aus Gründen des Heimatgefühls. Es ist das Land, in dem ich lebe und mich wohl fühle - da bilde ich gerne Teile davon ab.»