Frankfurt/Main (dpa) - Vor gut zwei Jahren kam Luiz Gustavo als Fußball-Rohdiamant vom brasilianischen Zweitligisten Corinthians Alagoano nach Deutschland. Bei der TSG 1899 Hoffenheim wurde der Defensiv-Allrounder unter Trainer Ralf Rangnick zum Juwel geschliffen.

Spätestens im Sommer 2011 wird sich der 23-Jährige wohl das Trikot des deutschen Rekordmeisters Bayern München überstreifen. «Wir haben ihm die Chance gegeben, sich aus der zweiten brasilianischen Liga in Europa durchzusetzen. Beide Seiten haben voneinander profitiert», sagt Trainer Ralf Rangnick über Gustavo.

In einem atemberaubenden Tempo hat sich der tief gläubige Mittelfeldspieler zu einer herausragenden Figur in der Bundesliga entwickelt und seinen Marktwert um ein Vielfaches gesteigert. Für Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp ist es daher «sonnenklar, dass Gustavo im Sommer zu den Bayern gehen wird. Es wäre unfair, ja geradezu unmoralisch, wenn wir ihm die Karriere verbauen würden», sagte er der «Rhein-Neckar-Zeitung». Die Bayern zeigten sich von Hopps Vorstoß indes überrascht. «Es gab ein Gespräch, das kann ich bestätigen, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen», sagte Rummenigge dem «Münchner Merkur».

Klar ist: Ein baldiger Abgang von Luiz Gustavo würde vor allem Rangnick schmerzen. DennDenn Luiz Gustavo ist bei den Kraichgauern derzeit nicht zu ersetzen. «Luiz ist einer der wertvollsten Spieler in unserem Kader. In Sachen Konstanz und Zuverlässigkeit vielleicht sogar der Wertvollste. Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden im Verein gibt, der es nicht so sieht», hatte Rangnick den modebewussten Mittelfeld-Abräumer unlängst geadelt.

Erstaunlicherweise ist Luiz Gustavo erst in dieser Saison so richtig aufgeblüht, nachdem die Hoffenheimer im Sommer fast der kompletten Südamerika-Fraktion den Laufpass erteilt hatten. Mit dem sportlichen Aufschwung einher ging ein Imagewandel, denn noch im Vorjahr war der aus Pindamonhangaba im Bundesstaat São Paulo stammende Profi als Raubein und Rüpel der Liga verschrien.

Elf Gelbe Karten und zwei Gelb-Rote Karten kassierte er in der Vorsaison und war damit in der Sünder-Tabelle die Nummer eins. In dieser Hinrunde wurde Luiz Gustavo erst viermal verwarnt und erzielte sogar seine ersten zwei Bundesligatore. «Mein Negativ-Ruf hat mich extrem genervt und ich habe mir viele Gedanken deswegen gemacht. Aber ich denke, dass ich die richtige Lösung gefunden habe», sagte er. Diese ist relativ simpel: «Früher kam ich in den Zweikämpfen oft einen Tick zu spät, jetzt erwische ich meist den richtigen Zeitpunkt, um dem Gegner den Ball zu klauen.»

Das hat ihn noch wertvoller für den Tabellenachten der Bundesliga gemacht. Rangnick lehnt einen Wechsel schon in der Winterpause daher kategorisch ab. «In der Theorie ist es natürlich eine Möglichkeit, Ersatz zu verpflichten. In der Praxis sehe ich momentan aber keinen Spieler von Luiz' Qualität. Wenn das so wäre, dann könnte Bayern ja auch den verpflichten.»