Düsseldorf (dpa) - Beim Elfmeterschießen im Fußball ist nach Analysen von Wissenschaftlern die Mannschaft im Vorteil, die anfängt.

«Im Durchschnitt stehen die Chancen 60 zu 40 für die Mannschaft, die beginnt», erklärte Ignacio Palacios-Huerta, Ökonom an der London School of Economics, in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

«Entscheidend ist, dass der Schütze des zweiten Teams meistens nur ausgleichen kann», begründet der Wissenschaftler und frühere Fußballer den Vorteil. In jeder Runde treffe die beginnende Mannschaft durchschnittlich zwischen drei und sieben Prozent mehr. «Nach fünf Runden resultiert das in 20 Prozent Vorteil», sagte Palacios-Huerta. «Die Torhüter halten etwa gleich viel, aber die Schützen des zweiten Teams schießen öfter daneben.» Seine Theorie basiert auf der Analyse von 9000 Elfmetern.

Eine Gesetzmäßigkeit, ob Elfmeterschützen mehr rechts, links oder in die Mitte zielen, konnte der Ökonom nicht erkennen. «Die meisten Spieler sind nicht berechenbar», stellte Palacios-Huerta fest. Die besten Chancen, einen Strafstoß zu verwandeln, hätten Schützen, die sich vor der Ausführung keine Gedanken machen, wohin sie schießen wollen: «Optimal ist, es selbst vorher nicht zu wissen. Sonst kann es passieren, dass der Körper verrät, auf welche Seite man schießen wird.»

Die Ergebnisse seiner Elfmeter-Analysen könnten für die Proficlubs sehr wertvoll sein. «Englische und spanische Clubs geben mehr als eine Million Euro pro erzielten Punkt aus», meinte Palacios-Huerta. «Der billigste Weg zu zusätzlichen Punkten führt über die Einstellung eines Statistikers.»