Wolfsburg (dpa) - Letzte Hoffnung DFB-Pokal: Der Cup-Wettbewerb soll für den VfL Wolfsburg zum Joker im Rennen um die Europapokal-Qualifikation werden.

Nach einer völlig verkorksten Hinrunde in der Fußball-Bundesliga mit nur 19 Punkten hat der Meister von 2009 gegen den Zweitligisten Energie Cottbus das Weiterkommen fest eingeplant. «Es ist ein einfaches Spiel, denn es zählt nur der Sieg. Der Pokal ist der kürzeste Weg nach Europa», sagte VfL-Coach Steve McClaren vor der Achtelfinalpartie.

Ein persönliches Alles-oder-nichts-Spiel für den Trainer wird das K.o.-Match aber wohl nicht. Nach der furiosen Schlussviertelstunde beim 2:2 gegen Hoffenheim, in der die Mannschaft mit toller Moral einen Punkt und dem Trainer den Job rettete, scheint McClaren zunächst aus der Schusslinie. Bei einer normalen Leistung dürfte er selbst bei einem Ausscheiden mit dem VfL in die Rückrunde gehen und soll dann mit ein, zwei neuen Spielern die Wende schaffen. «Wir werden uns die nächsten zwei, drei Tage absprechen, was wir tun werden», bekräftigte McClaren.

In der Mannschaft genießt der Engländer Vertrauen. Stimmung und Moral sind intakt. Die Aufholjagd gegen Hoffenheim ist dafür der beste Beweis. «Ich glaube an diesen Trainer, an dessen Arbeit. Ich glaube daran, dass wir mit McClaren eine gute Rückrunde spielen können», beteuerte VfL-Stürmer Grafite, der gegen Energie wohl wieder in die Startelf rückt. Auch Manager Dieter Hoeneß steht zum Coach. Fürs erste sind damit auch die VW-Bosse im Aufsichtsrat überzeugt, die zuletzt die Enttäuschung über die Hinrunde nicht mehr verbargen.

Angesichts von bereits zehn Punkten Rückstand auf Platz fünf in der Liga wäre ein Überwintern im Pokal umso wichtiger. Mutterkonzern VW will partout nicht vom Saisonziel Europa abweichen. «Im Pokal sind wir anders als in der Liga noch voll im Soll. Wir können uns dort eine wertvolle Chance erhalten», sagte Kapitän Edin Dzeko, der - nimmt man die Äußerungen von Gäste-Coach Claus-Dieter Wollitz ernst - keine Sensation befürchten muss. «Die Fakten und die Qualität des Spielerkaders sprechen eindeutig für den VfL. Ich weiß nicht, ob eine Überraschung möglich ist», sagte Wollitz, der als Profi 1995 mit dem VfL im Finale an Borussia Mönchengladbach gescheitert war (0:3).

Doch auch bei einem Weiterkommen wäre die Lage über Weihnachten in Wolfsburg alles andere als entspannt. Zuletzt gab es immer öfter «Hoeneß raus»-Rufe von den VfL-Ultras. Dass die vermeintlich hohe Qualität im Kader bisher nicht abgerufen wurde, wird zunehmend dem Manager angekreidet. Seit dessen Amtsantritt vor knapp einem Jahr wurden weit über 40 Millionen Euro ausgegeben, das Team ist aber nicht besser geworden.

In der Winterpause dürfte auch wieder heftig über die Zukunft von Goalgetter Dzeko spekuliert werden. Der ist zwar mit zehn Toren erneut bester VfL-Torschütze, geriet zuletzt aber mit McClaren aneinander. Am Samstag legte er sich nach einer misslungenen Aktion sogar kurz mit den Fans an. «Ich glaube nicht, dass ich im Winter wechseln werde», sagte Dzeko zwar. Doch McClaren kommentierte die üblichen Gerüchte nur lapidar: «Im Fußball gibt es nie 100-prozentige Sicherheit.»