Madrid (dpa) - Einer gegen alle: José Mourinho zieht über die Schiedsrichter her, legt sich mit den Vereinsführern von Real Madrid an und bringt die Trainer-Kollegen gegen sich auf. Der Coach des spanischen Fußball-Rekordmeisters hat den vorweihnachtlichen Frieden bei Real gründlich gestört.

Nach dem hart erkämpften 1:0-Sieg der Madrilenen über den FC Sevilla hatte der Portugiese eine Liste mit «13 gravierenden Fehlentscheidungen des Schiedsrichters» vorgelegt, die sein Team benachteiligt haben sollen. So manches Mitglied der Real-Führung rümpfte angesichts der - mit großer Theatralik vorgetragenen - Show die Nase. Aber Mourinho ließ es dabei nicht bewenden und forderte: «Ich will, dass der Club mein Team verteidigt.» Er wolle nicht immer allein den Kopf hinhalten müssen. Damit griff er den Generaldirektor Jorge Valdano an und warf dem Argentinier Untätigkeit vor.

Am Dienstag intervenierte Clubchef Florentino Pérez und wies den polternden Trainer in die Schranken. «Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern», rüffelte der Real-Präsident den Portugiesen. «Valdano ist der Sprecher des Vereins», betonte Pérez. «Er hat gesagt, was zu sagen war.» Mourinho verschlug es erst einmal die Sprache. Der Coach sagte seine Teilnahme an der üblichen Pressekonferenz vor dem anstehenden Pokalspiel gegen UD Levante kurzerhand ab.

Mourinhos Trainer-Kollegen reagierten mit Unverständnis auf die Schiedsrichterschelte des bestbezahlten Trainers der Welt. «Ich bin sicher, der FC Sevilla könnte eine Liste mit 20 Fehlern des Unparteiischen präsentieren», sagte Joaquín Caparrós von Athletic Bilbao. Unai Emery, Trainer des FC Valencia, meinte, Mourinho verhalte sich wie eine «Heulsuse». Die Fußball-Legende Johan Cruyff betonte: «Ein großer Trainer muss auch Werte vermitteln. Mourinho fehlt es an Seriosität.»

Der Real-Präsident hatte am Vortag bei einem Weihnachtsessen versucht, die Wogen zu glätten. Aber der Club konnte nach den Äußerungen des Trainers nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, als wäre nichts geschehen. «Mourinho und Valdano können sich nicht ausstehen», titelte das Sportblatt «Marca» am Dienstag. 70 Prozent der Leser des Blattes halten den Riss für so tief, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit unmöglich sei.

Mourinho und Valdano stehen für zwei unterschiedliche Stile. Während der Portugiese mit allen Mitteln den Erfolg sucht und notfalls auch provoziert oder pöbelt, pflegt der Argentinier die vornehme und zurückhaltende Art eines Gentlemans, wie sie auch zum Selbstverständnis des 108 Jahre alten Vereins gehört. Szenen wie beim Spiel gegen Sevilla sind nach dem Verständnis Valdanos mit dem «königlichen» Image des Clubs nicht vereinbar. Ein Assistent von Mourinho hatte in der Hektik Reals 74 Jahre alten Vereinsdelegierten Agustín Herrerín zu Boden geschlagen, der einen Streit zwischen Betreuern beider Teams schlichten wollte.

Die Zeitung «El Pais» meinte, der Coach habe Reals 0:5-Pleite vor drei Wochen beim FC Barcelona noch nicht verdaut. «Der Diven-Status des Trainers ist stark angekratzt. Mit dem Geschwätz von einer vermeintlichen Verschwörung der Schiedsrichter will er nur von den eigentlichen Problemen ablenken.»