Berlin (dpa) - Mit Biosprit ist es so eine Sache. Die einen sehen ihn als Garant für mehr Klimaschutz im Verkehr. Die andern verweisen auf eine unselige Konkurrenz zwischen Tank und Teller - und fürchten höhere Spritpreise.

«Die Förderung des Biosprits hat Hungerkrawalle mitverursacht», sagt etwa der Chef des Münchener ifo-Instituts, der Ökonom Hans-Werner Sinn. So sei durch den hohen Mais-Bedarf auch die Tortilla-Krise 2007 in Mexiko entstanden. Biosprit sei ein teurer Irrweg, wettert Sinn.

Nun kommt 2011 ein neuer Biokraftstoff an die deutschen Tankstellen, im Fachjargon E10. Statt einer bisherigen fünf- prozentigen Beimischung von Ethanol zum Sprit werden dabei Superbenzin zehn Prozent Ethanol beigemischt. Allerdings könnte das Bioethanol-Gemisch vielerorts erst im Laufe des ersten Quartals an den Zapfsäulen erhältlich sein, da die Umstellung für Mineralölkonzerne und Tankstellen aufwendig ist.

Bundesregierung und Bundesrat hatten im Herbst den Weg frei gemacht für die Einführung des neuen Bio-Super-Sprits, mit dem eine EU-Richtlinie umgesetzt wird. 90 Prozent der Autos können E10 tanken - in der Regel alle Autos ab Baujahr 1990, bei Marken wie Audi, Ford, Opel, VW oder BMW sind fast alle Modelle E10-tauglich. Bei Mercedes fast alle nach 1985 produzierten Wagen. Rund 3,5 Millionen Autos vertragen den neuen Sprit aber nicht - im Zweifelsfall fragt man am besten beim Hersteller nach.

«Wer nicht ganz sicher ist, sollte weiterhin das normale, mit fünf Prozent Bioethanol versetzte Benzin tanken», sagt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Bis 2013 ist dieser herkömmliche Sprit weiterhin erhältlich.

Die Biokraftstoffbranche betont, Ethanol sei nicht viel teurer als normales Benzin. Zudem müsse die Mineralölindustrie ein Interesse daran haben, E10 zu verkaufen, denn sie sei gesetzlich verpflichtet, Biosprit in den Markt zu bringen. In der Mineralölbranche sieht man das anders. E10 werde wegen der vorgeschriebenen Einspeiseverpflichtung das Benzin verteuern, heißt es unisono. Ethanol ist bisher teurer als herkömmlicher Sprit nur aus Erdöl.

Es ist in diesem Fall ein wenig wie in der Strombranche, wo die Platzhirsche die Ökoenergien für Preissprünge verantwortlich machen - selbst aber in ihrer Preisgestaltung oft intransparent sind.