Heidelberg/Berlin (dpa) - Der kalte Winter treibt die Kosten schon bei der Heizung kräftig nach oben. Zusätzlich erhöhen im neuen Jahr die meisten Stromanbieter ihre Preise deutlich. Die Grünen gehen mit den Versorgern erneut hart ins Gericht, Verbraucherportale raten zum Anbieterwechsel.

Preiserhöhungen von sieben Prozent stehen bei 500 von insgesamt 900 Stromversorgern zum 1. Januar im Schnitt an, berichtete das Verbraucherportal Verivox am Dienstag. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden muss durchschnittlich 66 Euro zusätzlich im Jahr bezahlen.

Nach Berechnungen von toptarif.de legen die Preise im Januar und Februar bei mindestens 622 Versorgern um durchschnittlich 7,1 Prozent zu, in der Spitze sogar um 19,4 Prozent. Auch die Stromriesen RWE, Vattenfall und EnBW heben demnach die Preise an. Die bevorstehenden Erhöhungen stoßen auf heftige Kritik: Laut einer Grünen-Studie zahlen die Verbraucher im kommenden Jahr insgesamt zwei Milliarden Euro an ungerechtfertigten Stromkosten.

Bei den Gasversorgern ist die Entwicklung uneinheitlich: Zum Januar haben Verivox zufolge 81 Anbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt, gleichzeitig wollen 38 Gasversorger die Preise im Schnitt um sechs Prozent senken. Während sich einige Versorger günstig im Großhandel eindeckten, müssten andere langlaufende Abnahmeverträge mit höheren Preisen und Ölpreisbindung erfüllen, erläutert das Verbraucherportal zur Begründung.

Die meisten Stromversorger machen laut Verivox die zum Jahreswechsel gestiegene Umlage, über die der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird, für den Preisanstieg verantwortlich. Kritiker werfen ihnen vor, im Gegenzug die niedrigeren Beschaffungskosten der vergangenen beiden Jahre nicht an die Kunden weitergegeben zu haben. Bei einem Wechsel des Anbieters können Haushalte Verivox zufolge bei Strom oder Gas mehr als 200 Euro im Jahr sparen. Laut toptarif.de reichen 144 Stromversorger die höheren Förderkosten der Erneuerbaren Energien in etwa eins zu eins an die Verbraucher durch, 137 liegen mit ihren Preiserhöhungen sogar darüber.

Nach einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion dürften die Stromkunden damit 2011 rund zwei Milliarden Euro «zu viel» zahlen. Die Erneuerbare-Energien-Umlage sei häufig nur ein Vorwand. «Die Versorger erhöhen vielfach die Preise, um ihre Gewinne zu steigern», sagte die Energieexpertin der Grünen-Fraktion, Ingrid Nestle, der «Saarbrücker Zeitung» (Dienstag). Der Umlage stehe «ein bislang nicht weitergegebenes, erhebliches Preissenkungspotenzial» gegenüber, heiße es in der Expertise, über die auch die «Leipziger Volkszeitung» (Dienstag) berichtete. Die Grünen hatten bereits mehrfach Studien mit einem ähnlichen Ergebnis vorgelegt, die die Stromkonzerne jedoch als unzutreffend zurückgewiesen hatten.

Die Linken-Vorsitzende Gesine Lötzsch rief die Bundesregierung zum Handeln auf: «Faire Energiepreise können nur durch eine funktionierende Preisaufsicht und Sozialtarife garantiert werden.» Die Branche müsse verstaatlicht werden. «Energiekonzerne gehören endlich in die öffentliche Hand.»