Frankfurt/Main (dpa) - Erfolgstrainer Thomas Tuchel will Mainz 05 zu einer der ersten Adressen für Nachwuchsarbeit in Deutschland machen. Der mit 37 Jahren jüngste Bundesliga-Coach scheut sich dabei nicht, Champions-League-Sieger FC Barcelona als Vorbild für den kleinen Fußballverein zu wählen.

«Mit seiner Club-Philosophie und deren konsequenter Umsetzung kann Barcelona ein leuchtendes Vorbild sein», sagte der 37-Jährige in einem Redaktionsgespräch der Nachrichtenagentur dpa. Wie bei den Spaniern hat auch für Tuchel die Nachwuchsarbeit höchste Priorität: «50 Prozent des Kaders muss aus dem eigenen Internat kommen. Egal, wer gerade Trainer ist», betonte er. «Die Identität des Clubs ist wichtiger als die handelnden Personen.»

Tuchels ehrgeiziges Ziel: «Wir wollen in Deutschland die Adresse werden für Nachwuchsspieler bis 23 Jahre», heißt seine klare Ansage. «Mainz hat ein in Deutschland herausragendes Nachwuchszentrum. Das wollen wir für unsere ureigensten Zwecke nutzen.»

Gleichzeitig will der 37-Jährige aber auch, dass sich Mainz 05 als Marke in Deutschland etabliert. «Grundsätzlich haben wir das große Glück, dass wir für eine ganz bestimmte Art Fußball zu spielen wahrgenommen werden.» Der 05-Trainer fordert von seiner Mannschaft, dass «es für uns nicht uncool wird, immer an die Grenzen zu gehen.»

Tuchel hat sich in seinem zweiten Bundesligajahr mit dem aktuellen Tabellenzweiten in die Spitzengruppe der Trainergilde katapultiert. Erfolgsgründe sind für ihn die besondere Atmosphäre im Club sowie das Verhältnis zu den Führungspersönlichkeiten und den Spielern.

«Ich glaube, dass ich so lange da sein werde und da sein will, solange ich das Gefühl habe, wir entwickeln uns alle weiter. So lange diese Arbeitszufriedenheit da ist. Ich weiß sehr genau, wie gut es mir auch geht, wie sicher ich mich gerade fühle in diesem Umfeld.»

Im ungewöhnlichen Saisonverlauf mit dem Schwächeln der Favoriten und dem Aufmucken der vermeintlich Kleinen sieht sich Tuchel bestätigt. «Die Kleinen akzeptieren von Haus aus die Rolle nicht mehr. Sie spekulieren, dass der Gegner vielleicht nicht immer an die Topleistung herankommt. Vielleicht herrscht in diesen Vereinen von Grund auf eine höhere Bereitschaft, gemeinsam für eine Philosophie einzustehen, gemeinsam für einen Stil und vielleicht ein Stück demütiger oder disziplinierter am eigenen Stil zu bleiben.»