Hamburg (dpa) - Neues Jahr, neues Glück? Gleich nach Silvester stehen für Traditionsclub Hamburger SV Tage der Entscheidungen an. In einer «Elefanten-Runde» wollen Clubchef Bernd Hoffmann und Sportchef Bastian Reinhardt an Neujahr mit Trainer Armin Veh über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit reden.

Und nach dem Coach scheint auch Hoffmann dazu bereit zu sein. Er sei sicher, «dass Veh im Spiel gegen Schalke unser Trainer ist», zitierte das «Hamburger Abendblatt» den Vorstandschef, der auf dpa-Anfrage keine weitere Stellungnahme abgeben wollte. Ihn selbst betreffen sechs Tage vor dem Bundesliga-Rückrundenstart (am 15. Januar bei Schalke 04) wichtige Neuwahlen des Aufsichtsrats, der letztlich über eine Vertragsverlängerung des Vorstandsvorsitzenden befindet.

Die Ausgangslage in der Trainerfrage ist klar: Veh will mit dem HSV-Kader wie geplant am 2. Januar ins Dubai-Trainingslager starten. Sowohl der Coach als auch der Club haben die Möglichkeit, bis zum 31. Mai 2011 per Ausstiegsklausel ihren bis Sommer 2012 laufenden Kontrakt zum Saisonende zu kündigen. Sollte eine der beiden Seiten dieses Ansinnen schon beim Neujahrs-Gipfel vorbringen, gilt es als sicher, dass es zur sofortigen Trennung kommen würde. Co-Trainer Michael Oenning, der schon beim 1. FC Nürnberg Bundesliga-Erfahrung sammelte, hätte dann beste Chancen, zum Chefcoach aufsteigen.

Geht es mit Veh weiter, der nach wie vor glaubt, «dass der HSV der richtige Verein für mich ist», muss ein Konsens in der Planung der HSV-Mannschaft der Zukunft gefunden werden. Nach dem mit Platz 9 bisher erneut unbefriedigenden Saisonverlauf ist ein Umbruch zwingend erforderlich. Denn die Mannschaft - angeführt von Routiniers wie Keeper Frank Rost (37), Zé Roberto (36) und Ruud van Nistelrooy (34) - ist nicht nur überaltert, sondern auch kein Team. Das große HSV- Problem: Der finanzielle Spielraum ist begrenzt, vor allem, wenn der Traditionsclub die Europacup-Plätze erneut verpassen sollte.

So berichtete das «Abendblatt» laut «internen Akten» von einer 20- Millionen-Hypothek: Demnach muss der Club 2011 noch 2,6, im nächsten Jahr 14 und 2012/13 weitere 6 Millionen Euro für schon getätigte Transfers zahlen. Allerdings sind diese Ratenmodelle gängige Praxis. Der aktuelle Planungsstand sei «nun wirklich nicht besorgniserregend. Es ist ganz normales Bundesliga-Geschäft», sagte Hoffmann.

Wie in den Vorjahren sei es Aufgabe des Managements, den Etat bis zur nächsten Saison ausgewogen zu gestalten: «Wir werden auf der Basis gewohnter wirtschaftlicher Solidität die notwendigen sportlichen Entscheidungen treffen, um uns für die nächsten Jahre richtig aufzustellen.»

Auch wenn die Zahlen keine akute Bedrohung für die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des HSV darstellen, kommen sie Hoffmann ungelegen. Denn am 9. Januar wählen die Mitglieder vier der zwölf Aufsichtsräte neu. Bisher sind die Hoffmann-Befürworter in dem Kontrollgremium in der Mehrzahl. Bleibt dies so, sollte die Verlängerung des bis Ende 2011 gültigen Vertrags mit Hoffmann Formsache sein. Im gegenteiligen Fall aber wäre alles offen. Fest steht nur, dass der langjährige Aufsichtsratschef und Hoffmann-Sympathisant Horst Becker den Vorsitz abgeben und dem Gremium nunmehr als normales Mitglied angehören wird.