Stuttgart (dpa) - Wolfgang Dauner hat immer gerne Neues ausprobiert und ist zwischen den Stilen hin- und hergewechselt. Er hat das Musizieren ganz pragmatisch gesehen, als Möglichkeit, sich und seine Familie zu ernähren. Jazz ist bis heute sein Lebenselixier geblieben.

Einen Tag vor Silvester feiert der mittlerweile ergraute, Zopf und Schnäuzer tragende Musiker an diesem Donnerstag seinen 75. Geburtstag. Kurz davor, am 28. Dezember, tritt Dauner in Wien mit dem Violinisten Jean-Luc Ponty auf. Der Altmeister des deutschen Jazz erhielt vor fünf Jahren das Bundesverdienstkreuz. Er war nie jemand, der sich viel aus den Abgrenzungen zwischen «E» und «U», ernst und unterhaltend, machte - in der Musik wie im Leben.

Schon früh probierte sich der gebürtige Stuttgarter scheinbar mühelos an verschiedenen Instrumenten aus. Mit fünf Jahren begann das Klavierspielen, später kam die Trompete dazu - und viel später dann gefiel ihm als einem der ersten das Arbeiten mit dem Synthesizer. Dauner spielte in verschiedensten Formationen - mit seinen eigenen Bands «Et Cetera» und besonders dem «United Jazz + Rock Ensemble», für das er so große Jazz-Kollegen wie die mittlerweile gestorbenen Posaunisten Albert Mangeldsdorff und den Saxophonisten Charlie Mariano um sich versammelte.

In einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit» hat Dauner gerade nochmals erklärt, was Jazz für ihn bedeutet: «Es ist das Parallelogramm der Kräfte zwischen Energie und Ausdruck, das die große Leistung des Jazz darstellt. Freiheit. Jazz ist die Freiheit.» Da ist sich der Stuttgarter einig mit den großen Jazzern seiner Zeit. Gerade in der Auseinandersetzung mit der klassischen Musik sei er vielen Dogmen begegnet - die habe er «nie verstanden».

Dennoch hat Dauner auch «klassisch» gearbeitet und zwei Opern komponiert. Umgekehrt hat er Klassik «verjazzt». Noch heute begeistern seine Klavierimprovisationen, die gleichzeitig locker und energiegeladen klingen. Gerade die Stuttgarter haben immer wieder die Möglichkeit, ihren Jazzstar live zu erleben - so im «Bix», dem wichtigsten Jazzclub der Region, für den sich Dauner immer wieder stark gemacht hat. Seine Musikleidenschaft hat Dauner übrigens weitergegeben: Sohn Florian «Flo» Dauner ist ein sehr erfolgreicher Schlagzeuger, unter anderem für die «Fantastischen Vier».