Mailand (dpa) - Inter Mailands neuer Trainer Leonardo hat ein schnelles Comeback des in der italienischen Serie A abgestürzten Champions-League-Siegers angekündigt. «Ich glaube an den Meistertitel», versicherte der Nachfolger des gescheiterten Rafael Benitez bei seiner Präsentation.

13 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter und Lokalrivale AC Mailand seien zwar viel, aber die Saison sei noch lang, erklärte der Brasilianer. Spätestens bis zum Champions-League-Achtelfinale Mitte März gegen Bayern München muss Leonardo Inters verunsichertes Starensemble auf Vordermann gebracht haben, um nach dem historischen Triple-Gewinn eine totale Pleite in dieser Saison zu verhindern.

Ausgerechnet der frühere Spieler und Trainer des verhassten Lokalrivalen soll Inter nun retten. Die Fans scheinen kein Problem damit zu haben: Hunderte Tifosi bereiteten Leonardo an seinem ersten Arbeitstag einen begeisterten Empfang. Und der von Milan-Fans als «Verräter» beschimpfte Leonardo spielte den Ball gleich zurück: «Ich habe keinen Job gesucht, sondern einen Traum. Und dies hier ist die größte Herausforderung überhaupt», meinte Leonardo, der sich lässig im schwarzen Hemd und Sakko präsentierte und stolz das Inter-Trikot in die Kameras hielt.

«Ich bin sehr glücklich über die Wahl des Trainer, den ich schon immer geschätzt habe», sagte Club-Präsident Massimo Moratti. Der Patron hatte Benitez wegen seiner Misserfolge und seiner wiederholten Klagen über fehlende Verstärkungen kurz vor Weihnachten zur Aufhebung seines Zweijahresvertrags gedrängt.

Nach dem schmerzlichen Wechsel von Erfolgstrainer José Mourinho zu Real Madrid im Sommer und dem enttäuschenden Kurz-Gastspiel von Benitez verkündete Moratti einen Neuanfang: «Jetzt lassen wir Leonardo ohne Druck arbeiten», versprach der Öl-Magnat. Dennoch wird der mit dem AC Mailand nicht sonderlich erfolgreiche und von Club-Präsident Silvio Berlusconi mit herabwürdigenden Kommentaren verabschiedete Leonardo bei Inter zum Siegen verdammt sein.

Vor seinem ersten Training mit dem Team präsentierte sich der Brasilianer noch betont gelassen. Obwohl Mourinhos Erfolge nicht zu übertreffen sind, geht Leonardo mit seinem Vor-Vorgänger ganz unverkrampft um: «Ich habe ihn angerufen und um ein paar Ratschläge gebeten», erzählte Leonardo.

Taktisch will er Mourinhos Erbe fortführen. Benitez' Versuche einer offensiveren Ausrichtung werden wohl zu den Alten gelegt. «Die Mannschaft muss nicht neu erfunden werden», erteilte Leonardo neuen Experimenten eine Absage. Anders als Benitez glaubt Leonardo auch nicht, dass die Inter-Stars durch die drei Titelgewinne und die WM ins Südafrika ausgelaugt seien: «Ich glaube nicht an Ermüdung, sondern an das Selbstbewusstsein des Siegers», betonte Leonardo.