Es geht um Ruhm, Protest gegen die «Internet-Ausdrucker» oder nur Spaß: Beim Kongress des Chaos Computer Clubs werden reihenweise Websites gehackt und mit Sprüchen und Bildern versehen. Das ist nicht legal - aber vielleicht eine Warnung zur rechten Zeit.

Berlin (dpa) - Das Licht im «Hack-Center» ist rötlich-düster, an den langen Tischen drängen sich Menschen in Kapuzenpullis und T-Shirts. Vor ihnen stehen Laptops und «Club Mate»-Flaschen, dazwischen meterweise Kabel. «NO PHOTOS» steht eindringlich auf Zetteln an der Tür. Oben wird beim Kongress des Chaos Computer Clubs öffentlich für mehr Datenschutz und gegen Netzsperren geworben - doch im Keller will man ungestört und unerkannt sein.

Die meisten Hacker programmieren oder löten an Platinen. Doch gerade die Jüngeren - im Jargon «Kiddies» genannt - dringen auch in Websites ein und hinterlassen dort virtuelle Graffiti, sogenannte Defacements. Als Protest gegen die Politik, Trophäe gegenüber den Kollegen und Warnung gegenüber dem schludrigen Betreiber, der die Sicherheitslücken nicht schließt.

Thomas Roth würde so etwas nicht machen. Er hat einen Job als «Consultant für Security- und Software-Engineering» und interessiert sich mehr für die Sicherheit des Betriebssystems WebOS. Sympathie für die Angriffe hat er aber, wie so viele andere in diesem Keller.

«Auf dem Kongress gibt es viele Gegner der Internet-Ausdrucker», sagt er. Internet-Ausdrucker, das sind Politiker von CDU, SPD und FDP, von denen sich viele in der Szene nicht verstanden fühlen. «Bei denen wird gezielt nach Schwachstellen gesucht.» Ein Online-Laden, der Werbung und Broschüren der FDP verkauft, gehörte zu den Zielen. Auf der Seite erschien kurzzeitig das Bild eines Handtrockners mit der Beschriftung: «Rede von Guido Westerwelle? hier drücken».

Coups wie diesen dokumentieren die Hacker auf einer öffentlich zugänglichen Seite. Dort sind auch weitere Ziele vermerkt. Viele rechtsgerichtete Websites zählen dazu. «Bei Nazis gilt eine Null- Toleranz-Politik», sagt Roth. Seine Kollegen am Tisch nicken.

Manchmal geht es auch nur um Spaß. Auf der elektronischen Preisliste des Berliner Congress-Centrums, wo die Hacker tagen, tauchte zwischenzeitlich der Punkt «Koks und Nutten» auf, auch diese Preisliste war gehackt. Preis: 3 Euro plus 50 Cent Pfand. Auch diesen «Erfolg» reklamieren die Hacker für sich.