Berlin (dpa) - Das Enthüllungsportal Wikileaks und sein Gründer Julian Assange geraten nach der Veröffentlichung diplomatischer Depeschen der USA immer mehr unter Druck.

Nachdem das Portal am Freitag seine angestammte Web-Adresse wikileaks.org verloren hatte, sperrte nun der Bezahldienst Paypal ein Konto der Internet-Aktivisten, über das Spenden abgewickelt wurden. Auch die Schweizer Bank Postfinance will die Geschäftsbeziehungen überprüfen, wie ein Sprecher am Sonntag ankündigte.

Schweden beharrt auf Auslieferung des 39-Jährigen, der wegen Vergewaltigungsverdachts international gesucht wird und in Großbritannien untergetaucht ist. Und auch in seiner Heimat Australien ermittelt die Polizei.

Spenden zur Unterstützung von Wikileaks sind inzwischen bei Paypal unmöglich. Wegen «Verletzung der Nutzungsbedingungen» sei das Wikileaks-Konto dauerhaft gesperrt worden, teilte die Tochter der Handelsplattform Ebay auf ihrer Blogseite «thepaypalblog.com» mit. Paypal schließt die Benutzung seiner Dienste aus, wenn dadurch «illegale Aktivitäten» gefördert werden.

Bei der Schweizer Post-Tochter Postfinance hat Assange nach einem Bericht der «Zürcher Zeitung am Sonntag» ein Spendenkonto für den «Julian Assange Defence Fund» eingerichtet. Aus diesem Topf werden «Verteidigungs-Kosten» bestritten, wie es auf der Internet-Seite der Organisation heißt. «Gegenwärtig überprüfen wir die Geschäftsbeziehung mit Julian Assange», sagte Banksprecher Marc Andrey der Zeitung.

Die Bank kläre derzeit, ob der Australier Assange tatsächlich wie bei Kontoeröffnung angegeben einen Wohnsitz in Genf hat. Ein ausländischer Inhaber eines Postfinance-Kontos muss laut Andrey einen Wohnsitz in der Schweiz oder im nahen Ausland haben oder über Beziehungen zur Schweiz verfügen, sei es über ein Geschäft oder eine Immobilie.

Nach Angaben des Wikileaks-Gründers braucht die Plattform pro Jahr mindestens 200 000 Dollar (knapp 150 000 Euro) Spenden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten - besser noch 600 000 Dollar. Eine wichtige Geldquelle ist die nach einem 2001 verstorbenen Aktivisten des Chaos-Computer-Clubs (CCC) benannte Wau-Holland-Stiftung in Deutschland. Diese ruft zu Spenden für Wikileaks auf und leitet sie an das Portal weiter.