Singapur (dpa) - Ein Riesenstorch mit mehr als 1,80 Metern Größe hat einst die indonesische Insel Flores bevölkert. Die Störche waren fast doppelt so groß wie die kleinwüchsigen Menschen, die vor mehr als 8000 Jahren auf Flores lebten. Die Frage ist offen, wer wen gejagt hat.

Die niederländische Paläontologin Hanneke Meijer und ihr Kollege Rokus Due vom Nationalen Archäologiezentrum in Jakarta beschreiben den Fossilienfund in der Fachzeitschrift «Zoological Journal of the Linnean Society».

Die Fragmente von Beinknochen, die nach Angaben der Forscher zu einem Storch aus der Marabu-Familie gehören, sind 20 000 bis 50 000 Jahre alt. Die nur rund einen Meter großen Flores-Menschen, die von manchen Forschern als eigene Art namens Homo floresiensis eingestuft werden, starben vor etwa 8 000 Jahren aus. Die neue Storchart, Leptoptilos robustus, müsste rund 16 Kilogramm gewogen haben, schätzt Meijers.  Die Vögel waren wahrscheinlich zu schwer zum Fliegen. Die Fossilien wurden in einer Höhle bei Liang Bua gefunden, in der auch Knochen der kleinwüchsigen Menschen entdeckt worden waren.

Die Insel, die nie mit dem Festland in Asien verbunden war, hat jede Menge ungewöhnliche Arten hervorgebracht: Mini-Elefanten, Riesenratten und die heute noch lebenden Komodowarane, die größten Echsen der Welt. Der «Inselfaktor» habe dazu geführt, dass sich die Arten entweder als Zwerge oder Giganten entwickelten, erklärte Meijer in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. «Die Körpergröße des Leptoptilos robustus und das Leben am Erdboden sind die Folge der insularen Umgebung, in der es jede Menge Beutetiere gab und wenige fleischfressende Säugetiere», heißt es in dem Artikel.