Johannesburg (dpa) - WM-Premiere in Südafrika: Erstmals in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Weltfußballverbandes FIFA hat eine rauschende Party im Gastgeberland auf das Kicker-Großereignis eingestimmt.

Tausende Fans in buntem Outfit schunkelten und tanzten ausgelassen in Sowetos Orlando-Stadion - die Ouvertüre für die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Eine Trommel-Performance leitete den Auftritt der heimischen Jazz-Legende Hugh Masekela ein, der sich wenig später mit Pop-Diva Lira die in Landesfarben geschmückte Bühne teilte. Beide begeisterten die Menge mit einer tempogeladenen Version von «Patta Patta» - einem Welthit, der die Ende 2008 gestorbene Musikerin und Anti-Apartheid-Aktivistin Miriam Makeba weltbekannt gemacht hatte. Auch die als «Queen of African music» angekündigte westafrikanische Sängerin Angélique Kidjo würdigte sie, als sie deren Song «Malaika» hingebungsvoll ins Mikrofon hauchte. Mit ihrem stimmgewaltigen Musiker-Kollegen John Legend brachte sie dann die Menge mit Songs wie «Move on up» in Schwung.

Die musikalischen Darbietungen wurden immer wieder von Botschaften und Hinweisen auf Bildungskampagnen unterbrochen. Bereits zu Beginn hatten Südafrikas Präsident Jacob Zuma und FIFA-Präsident Joseph Blatter die Menge begrüßt. «Die FIFA ist sehr stolz, in Südafrika zu sein, und ich bin sehr glücklich, heute Abend in Soweto zu sein. Das ist der wahre Anstoß der WM», meinte Blatter. Zuma betonte, Südafrika sei nur die Bühne für eine afrikanische WM. «Afrika zeigt der Welt, dass es in der Lage ist, wie jede andere Region auch, mit jeder Herausforderung fertig zu werden», betonte er.

Vergessen waren die Proteste und Boykottaufrufe wegen einer angeblich zu geringen afrikanischen Beteiligung im Vorfeld der Veranstaltung. Neben den internationalen Superstars Shakira und Alicia Keys standen vor allem afrikanische Musiker im Mittelpunkt des WM-Auftaktkonzerts. Das Gesangs-Duo Amadou und Mariam aus Mali etwa. «Africa, Africa - solidarité; Africa, Africa - c'est la joie de vie», lautete ihre Botschaft: «Afrika, Afrika - Solidarität; Afrika, Afrika - das ist Lebensfreude».

Keys hatte vor dem Konzert gefordert, dass in Afrika die Aufklärung über die Immunschwäche-Krankheit Aids forciert werden müsse. Die schwangere US-Musikerin erklärte, sie sei aufgeregt und freue sich, bei dieser WM dabei sein zu können.

Mit dem deutschen Wort «Willkommen« hat der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu WM-Fans aus aller Welt in Südafrika begrüßt. «Afrika ist die Wiege der Menschheit, insofern begrüßen wir euch alle zurück zu Hause; euch alle: Deutsche, Franzosen - wo immer ihr auch alle herkommt», rief er ins Mikrofon. Sein Land schulde der Welt Dank, dass sie geholfen habe, aus einer hässlichen Made einen wunderschönen Schmetterling zu machen, meinte er in Anspielung auf die Apartheidzeit.

«Ich träume - was für ein wunderbarer Traum«, erklärte der in den Farben des Nationalteams Bafana Bafana gekleidete Tutu bei dem weltweit übertragenen Konzert. Er wisse bereits, wer im Finale Gewinner sei, sagte er - um wenig später Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten Nelson Mandela hochleben zu lassen. Mandela hatte wesentlichen Anteil daran, dass Südafrika die erste WM auf afrikanischem Boden ausrichten kann.