Essen (dpa) - Die Karstadt-Rettung bleibt in der Schwebe: Knackpunkt sind weiterhin die Vermieter des insolventen Warenhauskonzerns. Solange es keine Übereinkunft mit ihnen gibt, könnte die insolvente Warenhauskette vielleicht schon bald vor dem Aus stehen.

Insbesondere muss sich Investor Nicolas Berggruen noch mit dem Hauptvermieter Highstreet einigen. Die eigentlich für Donnerstag vorgesehene Bestätigung des Karstadt-Insolvenzplans vertagte das Essener Amtsgericht unter Hinweis auf die noch fehlenden Mietverträge. Beide Parteien haben nun noch bis Mitte Juli Zeit. Berggruen hatte im Bieterrennen um Karstadt vergangenen Montag den Zuschlag erhalten - ohne eine vorherige Einigung mit den Vermietern.

Den Kaufvertrag für das Unternehmen mit bundesweit 120 Warenhäusern und 25 000 Beschäftigten hatte der Investor deshalb nur unter Vorbehalt unterschrieben. Damit der Vertrag rechtskräftig wird, muss noch eine Einigung über die von Berggruen geforderten Mietsenkungen mit dem Karstadt-Hauptvermieter Highstreet erfolgen. Das Konsortium besitzt gut zwei Drittel der Karstadt-Warenhäuser.

Nur wenn die Einigung bis zum nächsten Gerichtstermin am 16. Juli vorliegt, können die die Essener Richter grünes Licht für den Karstadt-Insolvenzplan geben. Das Gericht hatte die Entscheidung bereits Anfang der vergangenen Woche unter Hinweis auf die damals noch nicht abgeschlossene Investorensuche vertagt.

Karstadt-Investor Berggruen forderte in einem Interview mit «Spiegel Online» eine schnelle Entscheidung in dem Mietstreit. «Den Schaden im Falle eines Scheiterns «hätten nicht wir, sondern - neben den Mitarbeitern - auch die Vermieter», sagte er. Viele Immobilien seien sehr speziell auf Karstadt ausgerichtet. In sie könne Highstreet nicht von einem Tag auf den anderen neue Unternehmen hereinholen. Berggruen zeigte sich abermals überzeugt, Karstadt wieder auf Erfolgskurs bringen zu können.

Voraussichtlich Anfang kommender Woche wollen Highstreet und Berggruen nach einer Lösung suchen. Ein Treffen sei für den kommenden Montag in London geplant, hieß es aus Kreisen. Dem Vernehmen nach sollen zwischen 50 und 70 Anteilseigner des Immobilienfonds an der Zusammenkunft teilnehmen. Größter Anteilseigner ist mit 51 Prozent die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. Highstreet war zuvor ebenso wie der Investor Triton mit einem eigenen Angebot für die Karstadt-Übernahme nicht zum Zuge gekommen.

Der Immobilienfonds hat nach eigenen Angaben bereits Mietsenkungen von zusammen knapp 400 Millionen Euro über mehrere Jahre für die Warenhäuser angeboten. Im Gegenzug für mögliche Mietsenkungen sollen einige Highstreet-Anteilseigner Anteile an der Warenhauskette gefordert haben, hieß es aus Kreisen.