Erasmia (dpa) - Joachim Löw macht die Schotten dicht - kein australischer Trainings-Spion soll bei der Feinabstimmung der deutschen Fußballer für das WM-Auftaktspiel Geheimnisse entdecken.

Auch drei Tage vor dem Duell mit den «Socceroos» ließ der Bundestrainer TV-Kameras und Reporter nur beim Aufwärmprogramm und ersten Passübungen im Super Stadium von Atteridgeville zu. Das Einspielen der Startformation sowie Einstudieren von Spielzügen, Ecken und Freistößen findet im Verborgenen statt - sogar mit Überlänge.

«Gestern haben wir Standards trainiert und heute ein kleines Spielchen gemacht», verriet Lukas Podolski nach der Übungseinheit. «Ich will nicht zu viel verraten, aber mein Team hat gewonnen», sagte Marko Marin und übte sich damit auch in Geheimniskrämerei. Der Bremer hofft nach wie vor, «dass ich in der Startelf stehe». War es also wieder ein Sieg des B-Teams gegen die WM-Startelf? «Wir haben hin- und hergewechselt, da kann man nicht sagen, wer gewonnen hat», antwortete Podolski lächelnd.

Geheime Übungseinheiten auf dem Platz und Video-Sitzungen hinter verschlossenen Türen des Velmoré-Hotels bestimmen den Ablauf der langen Tage bis zum Anpfiff am 13. Juni in Durban, den von der Nummer 1 bis 23 jeder herbeisehnt. «So langsam geht die Nervosität los, es kommt der Druck ins Spiel», berichtete Manager Oliver Bierhoff: «Wir freuen uns, wenn das Turnier endlich losgeht.»

Bis zur letzten Minute wird akribisch auf dem Trainingsplatz gearbeitet, auf dem der Fußballlehrer Löw mit seiner Trillerpfeife den Ton angibt. Im Mittelpunkt steht das Automatisieren der Laufwege, «dass es drei oder vier Spielsituationen gibt, auf die man sich verlassen kann», sagte der Stuttgarter Sami Khedira. In der Abwehr gehe es beim letzten Feintuning vor allem darum, an den Abständen zwischen den einzelnen Akteuren zu arbeiten. Trainingsmüdigkeit gebe es auch nach vier Wochen Vorbereitung nicht, versicherte Podolski: «Wir haben Zeit und sind gerne auf dem Platz.»

Als «sehr lernwillig» hat Löw seine Spieler kollektiv gelobt, aber jetzt müssen die jungen Startelf-Turnierneulinge Mesut Özil (21), Sami Khedira (23), Holger Badstuber (21) und Manuel Neuer (24) ins kalte Wasser geworfen werden. «Einige Spieler müssen über sich hinauswachsen, über ihren Schatten springen», betonte Löw. Wie bewähren sich gerade die jungen Spieler in einer Extremsituation, lautet die WM-Gretchenfrage. «Man weiß es nie vorher», erklärte der einstige Kapitän Bierhoff: «2000 hatten wir bei der EM sehr viele gestandene Spieler - und es ist total in die Hose gegangen.»

Löw vermittelt gerade den Youngstern Vertrauen. Der Münchner Badstuber, der gegen Bosnien (3:1) als linker Verteidiger in seinem erst zweiten Länderspiel eine gehörige Anlaufzeit benötigte, ist erste Wahl gegen Australien. Der 21-Jährige bringe das «Rüstzeug für die ganz schweren Aufgaben mit, die jetzt anstehen», erklärte der Bundestrainer. Trotzdem soll sich keiner seines Platzes sicher sein, jedes Training zählt. «Die Leistungsdichte ist sehr eng. Das macht sich positiv bemerkbar, weil jeder voll konzentriert und engagiert ist. Man merkt, dass jeder um seine Position kämpft», berichtete Manager Bierhoff als häufiger Trainingsgast.