Berlin (dpa) - Nina Hagen ist jetzt kirchentagstauglich. Auf ihrem neuen Album «Personal Jesus» singt sie Blues und Gospel. Den offiziellen Weg in die Kirche hat sie letztes Jahr gefunden.

«Das war eine Erwachsenentaufe, wie man sieht», sagt die mittlerweile 55 Jahre alte Punk-Lady, der eine gewisse Ironie zu eigen ist. Zur Vorstellung ihrer neuen Platte am Donnerstag in der Berliner Parochialkirche kommt sie viel zu spät. Auf der Hinfahrt sei sie in einen Autounfall mit einem polnischen Lastwagen verwickelt gewesen.

Passiert ist Nina Hagen aber nichts. So rauscht die Sängerin im neongrünen Minikleid, mit Federpuschel auf dem Kopf und Lackstiefeln an den Füßen in die Kirche. Dann setzt sie sich auf den Steinboden und gibt zur Freude der bäuchlings liegenden Fotografen mit Gitarre ein Minikonzert. «Wir sind das Volk», ruft sie zwischendurch. Dann fängt die Pressekonferenz an, die an Hagens kuriose Auftritte in Talkshows erinnert.

Sie redet ausführlich über Gospel und Glauben, etwa das Buch der Offenbarung. Nicht immer ist sie leicht zu verstehen. Als Kind hat Nina in der Plattensammlung ihrer Mutter, der Schauspielerin Eva Maria Hagen, Gospelstar Mahalia Jackson entdeckt. Auch Elvis Presley hat sie inspiriert. «Personal Jesus», der Titelsong des neuen Albums, ist die Coverversion eines Songs von Depeche Mode.

Punk und Glauben passen zusammen: Nina Hagen, die sich in der evangelisch-reformierten Gemeinde im niedersächsischen Schüttorf taufen ließ, scheint ein wandelndes Beispiel zu sein. Sie halte sich an die Zehn Gebote. «Aber Mücken und Fliegen - die töte ich.» Den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche nennt sie «ganz schlimm», sieht darin aber eine Chance für eine Reinigung. «So etwas darf nie wieder passieren.»

Religionsunterricht in der Schule findet die gebürtige Ost- Berlinerin auch nicht schlecht, zumal sie als Kind in der DDR nur Marxismus-Leninismus und Russisch lernen durfte. Gibt es ein Leben nach dem Tod? «Aber ja!», sagt Nina Hagen. Bevor sie zu Interviews auf dem benachbarten Friedhof geht, erzählt sie noch, dass sie an die Hölle glaubt. Die sei nicht nur eine Erfindung von «Kirchenkontrollfreaks».

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