Köln (dpa) - Der Maler Sigmar Polke, einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart, ist tot. Er sei in der Nacht zum Freitag nach längerem Krebsleiden zu Hause in Köln gestorben, sagte sein Galerist Erhard Klein aus Bad Münstereifel der Nachrichtenagentur dpa. Polke wurde 69 Jahre alt.

Auf allen wichtigen Listen international bedeutender Künstler belegte Polke seit Jahren einen der vorderen Plätze. Seine Bilder erzielen auf dem Kunstmarkt Millionenpreise. Noch im vergangenen Monat hatte Polke den mit umgerechnet 100 000 Euro dotierten Kunstpreis der Schweizer Roswitha-Haftmann-Stiftung erhalten. Im Laufe seines Lebens wurde er mit Preisen überhäuft.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Polke: «Er war ein kritischer, ironischer und auch selbstironischer Beobachter der Nachkriegsgeschichte und ihr künstlerischer Kommentator.» Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erinnerte an Polkes «schier unerschöpflichen Ideenreichtum» und dessen «unbändige Lust am Experiment». Er wies auf ein Werk des Künstlers für das Reichstagsgebäude hin. Es verleihe der gewaltigen Foyerhalle des Gebäudes «mehr Leichtigkeit, einen Hauch von Heiterkeit».

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth meinte: «Seine ironisch- widerständigen Kommentare zum herrschenden Zeitgeist werden uns fehlen.» Der Mäzen Frieder Burda, der eine der größten Polke- Sammlungen besitzt, bezeichnete den Tod seines Freundes als einen «sehr großen Verlust für die deutsche und internationale Kunstszene».

Trotz seines Ruhms blieb der als extrem medienscheu geltende Polke am liebsten für sich. «Er lässt kaum jemanden an sich ran», sagte einmal die langjährige stellvertretende Direktorin des Kölner Museums Ludwig, Evelyn Weiss.

Polke lässt sich keiner Stilrichtung eindeutig zuordnen, was mit seiner Experimentierfreude zusammenhängt. Bereits als Student in den 1960er Jahren begründete er zusammen mit Gerhard Richter - mit dem er bis zu seinem Tod eng befreundet blieb - eine neue Stilrichtung, die sie «Kapitalistischer Realismus» nannten. Darin karikierten die beiden Künstler die Sehnsüchte der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Den Einstieg in die Kunstszene verschafften Polke vor allem seine Raster- und Dekostoffbilder. Er setzte Bilder aus überdimensionalen Rasterpunkten zusammen, statt Leinwand verwendete er synthetische Flauschdecken, gestreiften Schlafanzugstoff oder Plastikfolien als Bildträger. Seine Motive waren Themen aus der Werbung, aus der Filmwelt oder Comics.