Toronto (dpa) - Die wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) haben sich bei ihrem Gipfeltreffen vergangenen September in Pittsburgh auf einen Fahrplan für Finanzmarktreformen verständigt. Zentrale Vorgabe war:

Jeder Marktteilnehmer, jedes Finanzprodukt und jeder Finanzplatz sollen angemessen beaufsichtigt werden. In vielen Bereichen sind die G20 aber zerstritten und in Verzug:

EIGENKAPITAL: Eines der wichtigsten Themen. Um künftige Krisen zu verhindern, sollen Banken mehr und hochwertigeres Eigenkapital vorhalten müssen. Die Finanzhäuser sollen auch Risikopuffer anlegen in besseren Zeiten. Eigentlich sollten alle großen G20-Finanzzentren bis 2011 die schärferen Basel-II-Eigenkapitalregeln umgesetzt haben.

Experten und Notenbanker verhandeln im Baseler Bankenausschuss bereits über noch schärfere Regeln («Basel III»). Die neuen Kapital- und Liquiditätsvorschriften sollten bis Ende 2012 umgesetzt sein, hatten die G20 vorgegeben. Es zeichnet sich ab, dass die Reformen milder ausfallen dürften. Auch der Zeitplan wackelt.

Beim nächsten G20-Gipfel im November in Seoul soll zumindest eine grobe Rahmeneinigung gelingen. Umstritten sind unter anderem noch die Gewichtung der Kreditrisiken. Die Finanzlobby wehrt sich und droht mit weniger Krediten und höheren Kosten.

DERIVATE: Der gigantische außerbörsliche Handel mit den hochkomplexen und risikoreichen Finanzprodukten soll transparenter und sicherer werden. Die Pläne sehen vor, dass er nicht mehr direkt zwischen den Marktteilnehmern stattfindet, sondern über Börsen laufen soll. Entscheidendes Element sind zentrale Gegenparteien, die Transaktionen abwickeln und Ausfälle auffangen sollen. Es gibt Verzögerungen, da nun auch Kreditausfallversicherungen (CDS) und ungedeckte Leerverkäufe berücksichtigt werden sollen.

Dagegen gelang dem US-Kongress kurz vor Beginn des G20-Gipfels eine Einigung auf neue Regeln für die Finanzmärkte, die für den Handel mit riskanteren Derivaten wie etwa aus dem Rohstoffbereich den Finanzinstituten die Gründung von mit eigenem Kapital ausgestatteten Einheiten vorschreiben. Damit soll jener Teil der Bank vor möglichen Verlusten abgeschottet werden, der wegen Sparereinlagen speziellen staatlichen Schutz genießt.