Düsseldorf/Essen/London (dpa) - Nach dem Übernahmeangebot des Investors Nicolas Berggruen geht es für die insolvente Warenhauskette Karstadt offenbar schneller bergauf als erwartet. Das sagte der Insolvenzbeauftragte Rolf Weidmann der in Düsseldorf erscheinenden «Wirtschaftswoche».

Für das aktuelle Geschäftsjahr, das im September endet, rechne man mit «stabilen Umsätzen» und einem «mittleren zweistelligen Millionengewinn». Im Jahr vor der Insolvenz hatte das Unternehmen rund 120 Millionen Euro Verlust geschrieben.

Der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, Thomas Schulz, sagte der Nachrichtenagentur dpa, man habe ursprünglich mit einem etwas niedrigerem Gewinn gerechnet. Jetzt werde der Gewinn aufgrund der Restrukturierungsmaßnahmen höher ausfallen. Zahlen nannte er nicht. Nach dpa-Informationen sollen es rund 40 bis 60 Millionen Euro sein.

Der «Wirtschaftswoche» zufolge hat die Insolvenzverwaltung bisher mit einem Gewinn von rund 39 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gerechnet. Nun gehe man dort von Erträgen zwischen 45 und 60 Millionen Euro aus.

Zu den aktuellen Verhandlungen zwischen dem deutsch-amerikanischen Investor Berggruen und dem Karstadt-Vermieter Highstreet wollte sich Schulz nicht äußern. Görg sei für zwei Tage bei den Verhandlungen in London gewesen, um einen vermittelnden «Beitrag zu den Verhandlungen zu leisten». Eine zügige Entscheidung sei im Interesse der Gläubiger, Kunden und Zulieferer wünschenswert.

Am Freitag hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gesagt, der Streit über Mietfragen sei nahezu geklärt. Noch seien jedoch nicht alle Probleme gelöst. Die Verhandlungen sollten an diesem Wochenende fortgesetzt werden.

Berggruen hatte den Zuschlag für Karstadt bekommen, den Kaufvertrag aber nur unter Vorbehalt geschlossen: Er fordert Zugeständnisse von den Vermietern. Das Konsortium Highstreet besitzt die Mehrzahl der Karstadt-Häuser. Eine abschließende Einigung muss bis Mitte Juli erfolgen, damit der Kaufvertrag für die Warenhauskette rechtskräftig werden kann. Geschieht dies nicht, droht der Kette mit 120 Warenhäusern und 25 000 Beschäftigten die Zerschlagung.