Johannesburg (dpa) - Für die eigenen Spieler gab's zur Feier des Tages wieder Küsschen und Umarmungen - dem bevorstehenden WM-Kracher wollte sich Diego Maradona gar nicht groß widmen. «Lasst mich erstmal das Spiel gegen Mexiko genießen», bat er nach dem 3:1-Sieg im Achtelfinale.

«Ihr habt einen Blankoscheck - schreibt, was auch immer ihr meint, was ich über Deutschland denke», erklärte Maradona schmunzelnd. Wie beim Elfmeter-Krimi vor vier Jahren in Berlin geht es auch am Kap in der Runde der letzten acht gegen die DFB-Auswahl. «Wir wissen, dass Deutschland eine ganz andere Mannschaft als Mexiko ist», meine Maradona dann doch zum Weltmeisterschafts-Dauerrivalen.

Deutschland sei ein «schwieriger Gegner», betonte auch Weltfußballer Lionel Messi nach dem eindrucksvollen 4:1-Erfolg des DFB-Teams über England. Beistand von oben erhofft er sich nun beim fünften Anlauf auf seinen ersten WM-Treffer in Südafrika: «Hoffentlich, wenn Gott es will, gelingt es gegen Deutschland.» Sturmpartner Carlos Tevez, bei dem der Knoten mit zwei Treffern gegen die Mexikaner platzte, mahnte Besonnenheit an: «Wir müssen das Spiel ruhig angehen und aus den Fehlern lernen, die wir 2006 begingen.»

Die Fehler seinerzeit gingen vor allem auf das Konto von Trainer José Pekerman. Den damaligen Teenager Messi ließ er erst gar nicht ran und als er in den letzten 20 Minuten zwei Leistungsträger auswechselte, kippte die Partie. Pekerman trat anschließend zurück. Nur Manndecker Gabriel Heinze, der aktuelle Kapitän Javier Mascherano sowie Maxi Rodriguez und Tevez kamen in Berlin gegen das DFB-Team zum Einsatz - Maradona war vor vier Jahren nur als Fan und Maskottchen dabei.

Viermal schlug Toptorjäger Gonzalo Higuain bereits zu, einem Dreierpack gegen Südkorea folgte in Johannesburg der nächste Streich gegen Mexiko. «Deutschland hat wie wir ein sehr gutes Niveau bislang gezeigt», betonte Mascherano, Pendant zu Deutschlands Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld der Argentinier. Angreifer Tevez warnte davor, wegen der bitteren Erinnerungen zu ungestüm in die Partie am 3. Juli in Kapstadt zu gehen. «Gegen Deutschland wird es eine tolle Partie, doch wir dürfen das nicht als Revanche sehen», mahnte der Stürmer von Manchester City. Nicolas Burdisso räumte ein, dass es für die Spieler von 2006 eine «Revanche» sein könnte. Aber man denke nicht an Deutschland, sondern an Argentinien.

Brisanz liegt genug in der Luft. Nach den 120 Minuten hatten sich im Berliner Olympiastadion tumultartige Szenen abgespielt, Maxi Rodriguez hatte Schweinsteiger sogar einen Schlag auf den Hinterkopf versetzt. Und auch für Maradona selbst ist das Wiedersehen mit Deutschland eine Reise in die bewegte Vergangenheit. 1986 gewann er mit Argentinien im Endspiel gegen die DFB-Mannschaft, vier Jahre später heulte «Diegito» Rotz und Wasser nach dem verlorenen Finale in Italien. «Ich möchte mir am liebsten das Trikot nehmen und spielen», meinte Maradona nun. Mit den Mexikanern rangelten sich seine Spieler in der Halbzeitpause.