Port Elizabeth (dpa) - Ohne Sticheleien geht es auch in den letzten gemeinsamen Tagen nicht. «Sie sind ja der Mann fürs Rustikale», grantelte Günter Netzer mit gespielter Abscheu. Und: «Diese dumme Frage braucht eine dumme Antwort.» Gerhard Delling, der vermeintlich dumme Fragesteller, konterte später, mit Blick auf das Ende der gemeinsamen Auftritte mit seinem kongenialen Partner: «Ich muss ihn motivieren. Das ist gar nicht so einfach.»

Netzer und Delling drehen in Südafrika ihre Ehrenrunden, am 10. Juli ist endgültig Schluss. Die Großmeister der gemeinsamen Fußball-Moderation beenden ihre TV-Zusammenarbeit nach zwei weiteren Viertelfinals und einem Halbfinale beim Spiel um Platz drei in Port Elizabeth. Und Netzer wird ein Loch hinterlassen, dass seine Erben wie Mehmet Scholl bei der ARD oder Oliver Kahn beim ZDF nicht ansatzweise schließen können.

Die ARD setzt in Zukunft voll auf Scholl, der nach der WM sowohl wie bisher mit Reinhold Beckmann als auch mit Delling auf Sendung gehen soll. Netzer wird dennoch fehlen. «Bei Günter Netzer möchte ich mich für dreizehn gemeinsame, sehr erfolgreiche Jahre ganz herzlich bedanken. Er hat einen klasse Job gemacht», sagte ARD- Programmdirektor Volker Herres am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Netzers trockener Humor aus der Tiefe des Hirns ist in der Fußball-Fernseh-Branche einmalig. Im Zusammenspiel mit dem gelernten Redakteur Delling ergaben sich verbale Doppelpässe, die auch journalistisch und fußball-faktisch höchsten Ansprüchen genügen. Nur hin und wieder machten sie Späße um ihrer selbst willen.

Netzer und Delling kultivierten den Schlagabtausch mit dem künstlich beibehaltenem Sie. Abseits der Kamera sind sie schon seit längerem auch privat miteinander verbunden. «Ohne die Freundschaft wäre das nicht möglich gewesen», erklärte Netzer. «Mit einem Neutrum kann ich nicht an die Grenze gehen - bis zur Beleidigung.»

Hemmungen hatte Netzer in der Tat wenig. «Er teilt ja auch gerne aus», sagte der Ex-Nationalspieler über seinen Partner Delling. Netzer ist sich bei der Frage nach den munteren Wortwechseln sicher: «Das war nur möglich, weil wir authentisch sind.» Über sich selber sagte er: «Ich bin kein Show-Mann.» Trotzdem wurden er und Delling mehrfach geehrt, unter anderem mit dem Grimme-Preis.

Inwieweit die kleinen verbalen Scharmützel, die den Unterhaltungswert ja erst ausmachten, abgesprochen, vorbereitet oder spontan waren - das bleibt der Fantasie der Zuschauer überlassen. Sicher aber wirkten sie bei den meisten ähnlich wie beim neuen ARD-Experten Mehmet Scholl: «Die haben mich immer sehr amüsiert. Das war wie Kino.»