Frankfurt/Main (dpa) - Europas Geschäftsbanken haben sich am Mittwoch knapp 132 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geliehen - und damit weniger, als von Volkswirten erwartet.

Denn an diesem Donnerstag sammelt die Notenbank die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro ein, die sie den Banken vor einem Jahr im Kampf gegen den brachliegenden Geldhandel in der Finanzkrise zur Verfügung gestellt hatte. Damit teilte die EZB am Mittwoch deutlich weniger zu als die gigantische Summe, die die EZB am Folgetag aus dem Markt nimmt. Das deutet aus Sicht der Volkswirte, dass sich die Banken wieder am Markt frisches Geld besorgen können.

Das dreimonatige Refinanzierungsgeschäft wurde zum Leitzins von 1,0 Prozent durchgeführt. Insgesamt haben sich 171 Banken an der Auktion beteiligt. Aus welchen Ländern die Banken kommen, teilte die EZB in Frankfurt nicht mit.

An den Märkten wurde das relativ geringe Interesse der Banken euphorisch aufgenommen: «Angesichts des in Kürze fälligen Jahrestenders von 442 Milliarden Euro hätte man eine viel höhere Nachfrage erwarten können», sagte DZ Bank-Experte Jan Holthusen. Offensichtlich seien die Spannungen an den Geldmärkten nicht mehr ganz so stark ausgeprägt.

Der Euro legte am Mittwoch um gut einen Cent zu und stieg zeitweise über die Marke von 1,23 Dollar. Staatsanleihen, die als vergleichsweise sichere Anlage gelten, mussten indes deutliche Kursabschläge hinnehmen. Die Aktienmärkte reagierten positiv auf das Ergebnis.

Im Zuge der Finanzkrise hatten sich die Banken gegenseitig kaum noch über den Weg getraut. Deshalb war der Handel auf dem sogenannten Interbankenmarkt zeitweise zum Erliegen gekommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) musste einspringen. Die Verspannungen an den Geldmärkten ließen zuletzt zwar etwas nach, verschwanden aber nicht völlig.

Nach Ansicht von Thorsten Polleit von Barclays Capital zeigt das Ergebnis des Dreimonatsgeschäftes, dass sich der Bankensektor insgesamt nicht mehr ganz so abhängig von der EZB fühlt: «Sie sind wieder in der Lage, sich selbst am Markt refinanzieren zu können.» Ob die Banken damit die Krise tatsächlich schon überwunden haben, müsse sich aber erst noch zeigen.