Brüssel (dpa) - Wegen verbotener Preisabsprachen müssen der Weltmarktführer ArcelorMittal und 16 andere europäische Stahlproduzenten eine halbe Milliarde Euro Bußgeld zahlen. Die EU-Kommission verhängte gegen die Hersteller von Spannstahl Strafen von insgesamt 518 Millionen Euro.

Am härtesten trifft es ArcelorMittal: Der Konzern muss mit 276 Millionen Euro fast die Hälfte der Summe begleichen. Aus Deutschland machten WDI/Pampus (Hamm/Westfalen) und die Saarstahl-Tochter DWK (Drahtwerk Köln) bei dem Kartell mit. Während WDI rund 56 Millionen Euro zahlen muss, profitierte DWK/Saarstahl von der Kronzeugenregelung. Da das Unternehmen die EU-Kommission 2002 informiert hatte, wurde ihm die gesamte Strafe erlassen.

Nach Ansicht der Brüsseler Wettbewerbshüter ist es erwiesen, dass die Stahlproduzenten 18 Jahre lang Preise für Spannstahl absprachen, die Märkte aufteilten und Lieferquoten festlegten. Zwischen 1984 und 2002 war das Kartell in fast ganz Europa aktiv, mehr als 550 Mal trafen sich die Konzernvertreter. Bei Spannstahl handelt es sich um Drähte, die in Beton eingezogen werden und zum Beispiel beim Bau von Brücken und Balkonen notwendig sind.

«Es ist erstaunlich, wie es so zahlreichen Unternehmen gelingen konnte, über einen so langen Zeitraum hinweg nahezu die gesamte europäische Bauindustrie auf einem so wichtigen Produktmarkt zu schädigen», sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Die Stahlproduzenten seien fast so aufgetreten wie in einer Planwirtschaft. Insgesamt ermittelte die Kommission gegen 36 Firmen.

Einige der Kartellsünder wollen sich gegen die Entscheidung wehren. So kündigte der beteiligte österreichische Stahlproduzent Voestalpine bereits Klage gegen das Bußgeld an. Der weltgrößte Stahlproduzent ArcelorMittal will nach eigenen Angaben die Entscheidung der EU-Kommission prüfen und dann entscheiden. Die Vorwürfe beträfen nur bestimmte Gesellschaften der Gruppe.

Die Westfälische Drahtindustrie (WDI) wollte die Entscheidung auf Anfrage nicht kommentieren. Bei der Saarstahl AG hatte die Tochter DWK (Drahtwerk Köln) Selbstanzeige wegen des Kartells erstattet; gegen diese wurde auch das - nach der Kronzeugenregelung erlassene - Bußgeld verhängt, sagte ein Saarstahl-Sprecher.

Bei den Preisabsprachen machten auch Stahlhersteller aus Spanien, Italien, Portugal und den Niederlanden mit. Die beiden deutschen Branchenführer ThyssenKrupp und Salzgitter waren nicht betroffen, sie stellen keinen Spannstahl her. Die Geldbußen gegen ArcelorMittal Fontaine und ArcelorMittal Wire France setzte die Kommission um 60 Prozent herauf, weil sie als Wiederholungstäter sanktioniert wurden und bereits an früheren Kartellen bei Betonstahlmatten und Stahlträgern mitgemacht hatten.