Dortmund (dpa) - Mit großem Jubel ist am Dienstagabend im Dortmunder Konzerthaus das mit Spannung erwartete Debüt von Cecilia Bartoli als «Norma» über die Bühne gegangen.

Zu Festspielpreisen und begleitet von massivem Werbeaufwand bot sich dem Publikum im ausverkauften Konzerthaus mit dem sorgsam inszenierten Auftritt der Star-Mezzosopranistin ein Klassik-Event allererster Güte.

Mit Bellinis «Norma» will die Bartoli nun auch einen Bereich des Belcanto erobern, der bislang nicht ihre Domäne war. Bereits seit den 90er Jahren hält die Römerin sich kontinuierlich an der Spitze ihres Fachs und versteht es wie keine Zweite, ihre Karriere mit geschicktem Kalkül zu planen und selbst zu steuern. Schon lange hat die Bartoli sich aus dem normalen Opern- und Gastierzirkus verabschiedet und stattdessen immer neue Nischen gesucht, in denen sie ihre ganz spezifischen Vorzüge ins beste Licht zu setzen weiß.

In der Vergangenheit hat die quirlige Sängerin sich vorzugsweise als Archäologin betätigt, vergessene Virtuosen-Arien der Barockzeit ausgegraben und sich zuletzt das Repertoire der Kastraten-Sänger angeeignet. Denn diese Musik kommt nicht nur ihrem überschäumenden Temperament, sondern auch ihrer äußerst beweglichen, eher kleinen Stimme entgegen.

Doch nun wagte sie sich an Bellinis «Norma» und damit an eine Partie, in der noch immer die Leistung von Maria Callas als Maßstab gilt. Callas furiose «Norma»-Interpretation bewirkte seinerzeit eine Renaissance des Belcanto, denn bevor die legendäre Griechin in Bellinis Koloraturen die zwingende Dramatik wieder entdeckte, galten dessen Werke als langweiliger Ziergesang für leichte Stimmen.

Die Bartoli plädiert nun ganz offen dafür, das Rad wieder zurück zu drehen: weg von der Dramatik und großen, oft viel zu schweren Stimmen hin zur ziselierten Stilübung. Die Bedingungen hierfür waren bei der konzertant aufgeführten «Norma» im Konzerthaus optimal bereitet: Mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble und -Chor unter der Leitung von Thomas Hengelbrock stand eines der edelsten Originalklang-Ensembles auf der Bühne, das für transparenten, lichten Klang steht und in intimer Lautstärke über feinste Nuancen verfügt. Zudem hat man sich vorab in die Archive begeben und eine eigene Neu- Edition der Bellini-Partitur erstellt, die seinen Absichten angeblich näherkommen soll als die sonst übliche Ricordi-Ausgabe.

Hengelbrock verstand sich perfekt auf die Kunst des dienenden Begleitens, kontrollierte perfekt die Dynamik und ließ dennoch manche Schroffheiten der Partitur aufblitzen. Doch trotz der optimalen Startbedingungen waren Bartolis Schwierigkeiten mit Bellinis gefürchteter Partie nicht zu überhören: In der oberen Mittellage tremolierte ihr Mezzo unruhig, verfehlte oft die Intonationsspur und ließ die geforderte Attacke vermissen. Auch in der Höhe flirrte die Stimme bedenklich dünn und entwickelte kaum je den gebieterischen Impetus, den der Charakter der stolzen Druidenpriesterin verlangt.