Roskilde (dpa) - Das Roskilde-Festival wird 40 und ist mit 75 000 Besuchern trotz eines eher mittelprächtigen Aufgebots an «ganz großen» Stars wieder einmal ausverkauft. Das traditionsreiche Rockfestival startet am Donnerstag mit einem viertägigen Marathon von 150 Bands in sein fünftes Jahrzehnt.

Im Zentrum steht dabei auch das Gedenken an das Unglück vor zehn Jahren, als neun junge Zuschauer vor einer Bühne zu Tode gedrückt wurden. Die US-Sängerin Patti Smith will am Samstag eine Zeremonie an dem Platz gestalten, an dem neun Linden zur Erinnerung gepflanzt worden sind.

Die Opfer hatten in der Nacht zum 1. Juli 2000 unmittelbar vor der größten Freiluftbühne ein Konzert der US-Band Pearl Jam verfolgt. Als die Menge massiv nach vorne drängte, wurden sie auf dem glitschigen Boden erdrückt. Zu den Toten gehörte auch ein junger Hamburger Polizist. Das Festival hat die Sicherheitsvorkehrungen vor den Bühnen danach massiv verstärkt, wird aber auch von einigen Hinterbliebenen sowie von Pearl Jam bis heute für Fahrlässigkeit und spätere Flucht aus der Verantwortung kritisiert.

Einig sind sich alle, dass das Unglück dank zusätzlicher Wellenbrecher zwischen Zuschauergruppen heute nicht mehr so passieren könnte. Auf der Bühne, genannt Orange Scene, spielen dieses Jahr als Top Acts neben Patti Smith auch Jack Johnson aus den USA, dessen Landsmann Prince, die britischen Bands Muse sowie Gorillaz und das Hardrock-Trio Them Crooked Vultures mit dem Ex-Led-Zeppelin- Bassisten John Paul Jones, Drummer Dave Grohl (Ex-Nirvana, Foo Fighters) und als Gitarrist Josh Homme von Queens Of The Stone Age.

Das sind nicht unbedingt «Weltnamen» wie sie etwa das oft mit Roskilde verglichene Glastonbury-Festival in England am vergangenen Wochenende bot: Hier konnten die Besucher zusätzlich zu Muse, den Gorillaz und Jack Johnson unter anderem Shakira, die Pet Shop Boys, Snoop Dogg, Stevie Wonder und die Scissor Sisters hören.

Glastonbury, wie Roskilde 1970 als mehr oder weniger spontan auf die Beine gestelltes Hippie-Meeting gestartet, ist mit 100 000 Besuchern, einer vier Meter hohen Umzäunung gegen Zahlungsunwillige und Prinz Charles als diesjährigem Ehrengast konsequenter den Weg ins große Geschäft gegangen. Die dänischen Veranstalter kämpfen tapfer gegen zuletzt explodierende Gagen-Forderungen der ganz großen Stars und richten sich auf etwas kleinerer Flamme ein.

Eine der bisher sechs Bühnen ist gestrichen, die Besucher müssen sich auf allerlei zusätzliche Gebühren über das mit 225 Euro ohnehin nicht ganz billige Ticket hinaus einrichten. Wegen dieses schon seit längerem andauernden Trends wird die Kolonie deutscher Roskilde-Fans stetig kleiner. Und nachdem der freundliche Festival-Spaß westlich von Kopenhagen nun auch den Nachbarn aus Schweden zu teuer geworden ist, wird Roskilde immer mehr zu einem innerdänischen Vergnügen.