Peking/Mountain View (dpa) - Google versucht, in letzter Sekunde sein Geschäft in China zu retten. Im Streit um die Zensur von Suchergebnissen kommt der Internetkonzern der Regierung in Peking entgegen.

Binnen 48 Stunden werde die automatische Weiterleitung von der chinesischen Suchseite google.cn auf die unzensierte Hongkonger Adresse google.com.hk komplett abgeschaltet, ließ Google am Mittwoch wissen.

Dass Google diesen Schritt machen würde, hatte Chefjustiziar David Drummond bereits angekündigt. Er hatte aber kein Zeitfenster genannt. «Wir wissen aus Gesprächen mit chinesischen Offiziellen, dass sie die Weiterleitung inakzeptabel finden», hatte Drummond erklärt. Für Google steht die Betreiberlizenz und damit das gesamte Geschäft in dem Riesenreich auf dem Spiel. Die Genehmigung muss jährlich erneuert werden.

Die Regierung hat sich noch nicht zu Googles Entgegenkommen geäußert. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte lediglich, man schaue sich den Fall an. Chinesische Google-Nutzer müssen künftig auf einen Link klicken, um zur Suchmaschine in Hongkong zu gelangen. Die ehemals zensierte chinesische Websuche selbst bleibt weiterhin abgeschaltet.

Mit diesem Trick will Google seinem Grundsatz treubleiben, keine Selbstzensur zu üben, und trotzdem die Regierung besänftigen. Analysten zweifeln daran, dass Peking sich darauf einlässt.

Der Streit war im März nach Hackerangriffen auf Google und andere US-Unternehmen eskaliert. In den USA wird vermutet, dass die chinesische Regierung hinter den Attacken steckt. Unter anderem hatten die Hacker versucht, die E-Mail-Konten von Regimegegnern zu knacken.