Brüssel/Walldorf (dpa) - Die EU-Kommission nimmt die Marktmacht von Europas größtem Softwarehersteller SAP unter die Lupe. Der US-Konkurrent Versata hatte sich in Brüssel beschwert, die Walldorfer wollten mit unlauteren Methoden Wettbewerber vom Markt verdrängen.

«Wir werden den Fall genau untersuchen», sagte die Sprecherin von EU- Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch auf Anfrage in Brüssel. SAP wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Es werde aber eng mit der EU-Kommission zusammengearbeitet, sagte eine Sprecherin in Walldorf.

Der Vorwurf lautet, SAP habe bei den Abnehmern seiner Unternehmenssoftware die Nutzung eines Preisauszeichnungsprogramms des Konkurrenten Versata blockiert. SAP sei - ähnlich wie der amerikanische Konzern Microsoft in den vergangenen Jahren - gegen seine Rivalen vorgegangen und habe Versata wichtige Schnittstelleninformationen vorenthalten. Stattdessen wolle der Konzern seine Kunden zwingen, SAP-Software zu benutzen.

Die Versata Software Inc. mit Sitz in Austin (Texas) forderte die Kommission auf, SAP dazu zu zwingen, die Informationen offenzulegen. «Die Kommission sollte auch eine angemessene Strafe verhängen», schrieb das Unternehmen auf seiner Internetseite. Bei Verstößen gegen das EU-Wettbewerbsrecht kann die Brüsseler Behörde Geldbußen aussprechen. Microsoft musste in einem ähnlichen Fall EU-Geldbußen zahlen und Auflagen erfüllen, weil es seinen Internetbrowser Explorer an sein Betriebssystem gekoppelt hatte.

Die ehemaligen Partner Versata und SAP streiten schon seit Jahren um Patente. Im August 2009 verurteilte ein US-Gericht SAP wegen Patentrechtsverletzungen zu einer Strafe von rund 139 Millionen Dollar (damals 97 Mio Euro). Daneben sind noch weitere Verfahren anhängig.