London (dpa) - Erst das WM-Aus, dann die Trennung von Chelsea: Michael Ballack steht nach zwei Hiobsbotschaften innerhalb kurzer Zeit vor einer ungewissen sportlichen Zukunft. Nach vier Jahren an der Themse heißt es für Deutschlands verletzten Nationalmannschafts-Kapitän bye-bye London.

«Wir haben uns nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen können», bestätigte Ballacks Berater Michael Becker der Nachrichtenagentur dpa. Ballack, der die WM wegen einer Bänderverletzung verpasst, kann ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln. Als mögliches Ziel des 33 Jahre alten Mittelfeldstars wird unter anderen Real Madrid gehandelt, wo Ballacks Ex-Trainer Jose Mourinho in der kommenden Saison das Zepter schwingt. Doch auch Vizemeister Schalke 04 gilt als heißer Kandidat. «Wir kommentieren das nicht», sagte Schalke-Sprecher Rolf Dittrich.

Ein klares Dementi kam von Werder Bremen. «Da ist nichts dran», sagte Sportdirektor Klaus Allofs «Sportbild Online». Dagegen liebäugelt Bayer Leverkusen mit einer Verpflichtung von Ballack, der schon von 1999 bis 2002 für den Werksclub gespielt hatte. «Zwischen Bayer und Michael Ballack herrschte immer eine besondere Beziehung, wir waren eine wichtige Station in seiner Karriere», sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dem «Kölner Stadt- Anzeiger». Er relativierte jedoch: «Eine andere Frage ist, ob so etwas für uns zu finanzieren ist.»

Ballack hatte im Urlaub in den USA erfahren, dass er beim englischen Meister keinen neuen Vertrag erhält. Laut Becker habe zwischen Ballack und Chelsea seit drei Monaten Funkstille geherrscht. Ballack sei daher «völlig überrascht» gewesen, sagte Becker dem Fernsehsender RTL. Zumal Deutschlands Mittelfeldstratege bereit gewesen sei, deutliche Abstriche beim Gehalt zu machen.

Die Verhandlungen über einen neuen Vertrag hatten sich über Monate hingezogen und waren zeitweise von Chelsea-Boss Roman Abramowitsch ausgesetzt worden, dessen Vereinsführung immer rätselhaftere Züge annimmt. Eine Einigung scheiterte letztlich an der Laufzeit eines neuen Kontraktes: Chelsea wollte nur einen Einjahresvertrag anbieten, Ballack aber bis zur EM 2012 Sicherheit haben.

Noch in der Nacht hatte Ballack versucht, Bundestrainer Joachim Löw über die neueste Entwicklung zu informieren. «Ich habe erst gegen 23.30 Uhr gesehen, dass er mich auf dem Handy angerufen hat. Ich hatte mir vorgenommen, ihn zurückzurufen, habe es aber noch nicht geschafft», berichtete Löw.

Löw geht davon aus, dass Ballack seine Karriere trotz der Rückschläge fortsetzen wird. «Ich bin sicher, dass Michael noch zwei, drei Jahre auf hohem Niveau spielen wird. Er hat sicher viele Möglichkeiten», erklärte der Bundestrainer. Auf Sizilien, wo der verletzte Ballack trotz Gipsfuß das Team in der ersten Vorbereitungsphase besuchte, hatte der 33-Jährige über «konkrete Angebote von verschiedenen Vereinen aus verschiedenen Ländern» berichtet.