Pretoria (dpa) - Spielerproteste und ein hektischer Umzug: Vier Tage vor dem Auftaktmatch gegen Serbien regiert bei Deutschlands letztem Gruppengegner Ghana das Chaos.

Nach einem Aufstand der Fußball-Profis um Kapitän Stephen Appiah wechselte der ghanaische WM-Tross kurzerhand sein Quartier und hinterließ in Pretoria lange Gesichter. Die «ärmliche» Ausstattung im Roode Vallei Lodge Hotel störte nach Angaben von «ghanasoccernet» die «Black Stars», so dass die Westafrikaner kurzerhand ins Fünf-Sterne-Hotel Sun City nach Rustenburg weiterzogen. «Der Umzug wird unsere Vorbereitung nicht stören», sagte Pressesprecher Randy Abbey, der als offiziellen Grund für den ungewöhnlichen Schritt «ungelöste technische Fragen» angab.

Im Februar hatten die Ghanaer schon einmal mit einem Quartierwechsel überrascht. Ursprünglich sollten sie im WM-Ort Nelspruit logieren, aber dann entschied sich das Sportministerium kurzfristig für die Unterkunft in Pretoria, weil sie die beste Ausstattung habe.

Bereits am 8. Juni hatte Abbey Schwierigkeiten mit dem vorgesehenen WM-Quartier eingeräumt. «Wir haben noch einige Probleme mit unserem Hotel. Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber wir haben bei unserem letzten Check einige Upgrades gefordert. Davon sind nicht alle ausgeführt worden. Wenn dies jetzt nicht passiert, müssen wir sehen, was wir machen», hatte er Konsequenzen angekündigt.

Unmittelbar vor dem Umzug testete das Team vor knapp 300 Zuschauern gegen eine lokale Auswahl die Form. Zuvor hatte Nationalcoach Milovan Rajevac seinem Neu-Nationalspieler Kevin-Prince Boateng trotz dessen starker Premiere gegen Lettland keinen Platz in Ghanas WM-Stammelf garantieren wollen. «Wir haben noch einige Tage, bis das Turnier startet. Daher wollen wir noch nicht über die Startelf für das erste Spiel reden», sagte Rajevac vier Tage vor dem Auftakt gegen seine Landsleute aus Serbien.

Der gebürtige Berliner Boateng hatte am 5. Juni bei der Generalprobe gegen Lettland die ghanaischen Fans begeistert und gilt als erster Kandidat für den Platz im zentralen defensiven Mittelfeld, der nach dem Ausfall von Topstar Michael Essien frei geworden ist. Da zusätzlich die beiden Mittelfeldspieler und Italien-Legionäre Sulley Muntari und Kwadwo Asamoah zuletzt nicht trainierten, wird für den 13. Juni fest mit Boatengs Pflichtspiel-Debüt für die Westafrikaner gerechnet.

Nachdem die «Black Stars» bei ihrem WM-Debüt vor vier Jahren in Deutschland bis ins Achtelfinale vorgestoßen waren, sollen sie diesmal mindestens die Runde der letzte Acht erreichen. Das zumindest erwartet Verbandsboss Kwesi Nyantakyi vor den Gruppenspielen gegen Serbien, Australien und Deutschland. «Dieses Mal wollen wir weiter als in die zweite Runde kommen - und zwar so weit wie möglich», sagte Nyantakyi.