Warschau (dpa) - Warschau kann vorerst aufatmen, der Norden Polens muss zittern: Der Scheitelpunkt der Weichsel hat am Dienstag die Hauptstadt Polens passiert und ist weiter nach Norden geflossen. Die Dämme in Warschau konnten dem Druck des Hochwasserscheitels standhalten.

Der Pegelstand des Flusses betrug am Nachmittag 7,47 Meter, zwei Zentimeter weniger als am Morgen und sollte weiter zurückgehen. Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz rief aber zur Wachsamkeit auf: Es gebe keine Entwarnung, der Alarmwert sei weiterhin um etwa einen Meter überschritten.

Der Hochwasserscheitel der Weichsel erreichte am Nachmittag Modlin nördlich von Warschau. Angespannt war die Lage bei Plock, wo bei der ersten Flut vor zwei Wochen ein Damm gebrochen war. Die Bewohner der Gegend befürchten eine Tragödie, wenn die neue Welle dort ankommt.

In Warschau war am späten Dienstagabend das Wasser durch einen Damm im Südteil der Stadt gesickert. Die Feuerwehr dichtete die Schwachstelle sofort mit 40 000 Sandsäcken ab. Hunderte Feuerwehrleute waren in der Nacht im Dauereinsatz. Wegen Hochwassergefahr blieben in der polnischen Hauptstadt viele Schulen und Kindergärten geschlossen. Eine wichtige Süd-Nord-Verkehrsverbindung wurde gesperrt.

Bei Plock nördlich von Warschau liefen die Vorbereitungen auf die große Welle auf Hochtouren. Vor zwei Wochen hatte die Weichsel in Swiniary einen Damm auf 400 Metern Länge durchbrochen. 20 Ortschaften wurden überflutet, tausende Menschen mussten das Gebiet verlassen. Inzwischen wurden provisorische Sperren errichtet, der Riss konnte aber nicht vollständig repariert werden.

Mehrere Dörfer stehen schon wieder unter Wasser. «Es droht eine Tragödie», warnte der Landrat von Plock, Michal Boszko. Der Scheitelpunkt wurde dort am späten Mittwochabend erwartet.

Am Dienstag hatte die Flutwelle der Weichsel mehrere Deiche südlich von Warschau durchbrochen. Überflutet wurden Dörfer und Ackerland, Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.