Wirtschaftsminister Brüderle verweigert Staatsbürgschaften und stürzt Opel in eine tiefe Depression. Nun ist die Zukunft des Autobauers ungewisser denn je, ein Kahlschlag droht - wenn die Kanzlerin nicht doch noch ein Machtwort spricht.

Rüsselsheim (dpa) - Die letzte Hoffnung für Opel heißt Angela Merkel. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ließ den Autobauer am Mittwoch wie erwartet abblitzen. Nun kann nur noch die Bundeskanzlerin verhindern, dass Opel im Ringen um Staatsbürgschaften leer ausgeht - und damit die schlimmen Befürchtungen von Betriebsrat und IG Metall womöglich Wirklichkeit werden: «Werkschließungen, massiver Abbau von Arbeitsplätzen und eine enorme Beschädigung der Marke Opel.» Drei der vier deutschen Werke seien in akuter Gefahr.

IG-Metall-Chef Berthold Huber wirft Brüderle vor, sich «in seinen ordnungspolitischen Dogmatismus verrannt» zu haben: «Ich habe kein Verständnis dafür, dass der Minister offenbar Arbeitsplätze und ganze Werke seiner neoliberalen Ideologie opfern will.» Jetzt sei die Bundeskanzlerin gefordert: «Wir vertrauen auf die Zusagen von Frau Merkel

Mit ihren Sorgen ist die Arbeitnehmerseite nicht allein. Auch Autoexperten wie Willi Diez sind überzeugt: «Ohne Staatsbürgschaften wird ein neues Sparprogramm aufgelegt mit gravierenden Auswirkungen auf die deutschen Standorte.» Opel-Chef Nick Reilly beschwichtigt hingegen: «Es gibt keinen Plan, weitere Werke zu schließen.»

Dass der US-Mutterkonzern General Motors (GM) selbst die Schatulle weiter öffnet und aus eigener Kraft die notwendigen Investitionen in neue Modelle und Technologien aufbringt, gilt als unwahrscheinlich. «Natürlich hat sich die Situation von GM verbessert, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. GM ist nach wie vor ein verstaatlichtes Unternehmen, das im ersten Quartal erstmals seit vielen Jahren wieder Gewinne erzielt hat», sagt Diez: «Für mich ist GM noch lange nicht über den Berg.»

Das sieht Brüderle ganz anders. GM verfüge «über zehn Milliarden liquide Mittel» und könne die Tochter deshalb in Eigenregie sanieren.

Doch die als «Rotstift-Strategen» verrufenen Amerikaner haben sich in der langen Beziehung zur deutschen Tochter nicht gerade einen Namen als zukunftsorientierte Investoren gemacht. «Wenn Reilly zu wenig Geld bringt, wird er härter sanieren müssen», ist Autoexperte Christoph Stürmer überzeugt.