Berlin (dpa) - Kulturpolitiker der Union machen Front gegen den vom schwarz-gelben Kabinett beschlossenen Aufschub für das Berliner Schloss. Bei einer Sitzung des Kulturausschusses sagte die Vorsitzende Monika Grütters (CDU), die Entscheidung über die Sparpläne der Bundesregierung sei «Sache des Bundestags».

Wenn man einen anderslautenden Beschluss erreichen wolle, müsse man nun nach dem Motto «Jetzt erst recht» für die inhaltliche Ausgestaltung des Schlosses als Humboldt-Forum werben. Ihr Fraktionskollege Wolfgang Börnsen, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, kündigte an: «Die Kulturpolitiker von Union und FDP werden mit dafür sorgen, dass es noch in dieser Legislaturperiode zur Realisierung des Stadtschlosses kommt.»

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, warb vor den Abgeordneten leidenschaftlich für einen raschen Baubeginn. Das in den historischen Fassaden geplante Museums- und Veranstaltungszentrum sei eine einmalige Chancen, im Herzen Berlins einen «Ort der Weltkulturen» zu schaffen, sagte er. «Diese Chance sollten wir nicht verspielen.» Würde das Projekt ganz gestrichen, seien bei dem als Übergangsquartier benutzten Museum in Dahlem rund 200 Millionen Euro Sanierungskosten fällig.

Die ehemalige Preußen-Residenz in der Mitte Berlins war zu DDR- Zeiten gesprengt worden, an ihrer Stelle entstand der Palast der Republik. Der asbestverseuchte Bau wurde nach der Wende abgerissen. Das Kabinett verschob diese Woche den geplanten Wiederaufbau des Schlosses von 2011 auf 2014. Bauminister Peter Ramsauer (CSU) kündigte am Dienstag allerdings an, er wolle den ersten Spatenstich bereits für 2013. Insgesamt soll das Projekt 552 Millionen Euro kosten, 440 Millionen wollte der Bund übernehmen.