St. Andrews (dpa) - Tiger Woods (USA) genießt den besonderen Artenschutz der Superstars bei der 139. British Open in St. Andrews immer noch in vollen Zügen.

Abgeschirmt und gut bewacht dreht der 5:1-Favorit seine Runden, aber die Tiger-Mania um den angeschlagenen Branchenriesen hält sich vor dem ersten Abschlag beim dritten Golf-Major des Jahres in Grenzen: Seit Monaten wackelt der Thron des Weltranglisten-Ersten.

Aus Vorsicht vor den Massen hat der Royal & Ancient GC zum 150. Jubiläum des ältesten Golfclubs der Welt die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht. Jede verbale Attacke beim Spiel oder aggressive Verhaltensweise der zu erwartenden 200 000 Zuschauer wird mit einem Platzverweis geahndet, teilte R&A-Chief Executive Peter Dawson mit.

Das betrifft die deutschen Starter Martin Kaymer und Marcel Siem eher weniger. Das Duo steht deutlich im Schatten des Dauerduells um Platz eins zwischen Woods und seinem Landsmann Phil Mickelson. Der Weltranglisten-13. Kaymer ist in eine Schwung- und Formkrise geraten. Aus der angestrebten Titelverteidigung in Paris wurde nur Platz sechs, bei den Scottish Open verpasste er sogar den Cut. Siem, der am Donnerstag 30 wird, spielt dagegen sein erstes Major überhaupt und wird froh sein, die ersten Runden auf dem Par 72-Kurs in der malerischen Dünenlandschaft zu überstehen.

Dafür rüttelt Kronprinz Mickelson weiter an der Ausnahmestellung des 34 Jahre alten Woods, der mit seinen Siegen 2000 und 2005 auf dem legendären «Old Course» an der schottischen Ostküste Golfgeschichte schrieb. Mit 19 unter Par zur Jahrtausendwende in St. Andrews hat der Superstar einen neuen Standard auf dem Kultplatz gesetzt.

Das Szenario zum Sturz der Ikone Woods nach 266 unterbrochenen Wochen und 608 Wochen insgesamt an der Spitze der Weltrangliste ist klar: Mickelson reicht schon Platz zwei, wenn Woods nicht unter die Top vier kommt. Rang drei für den 40 Jahre alten Mickelson würde genügen, sollte Woods nicht mindestens 14. werden. Allerdings hat Masters-Champion Mickelson in den vergangenen Monaten bereits fünfmal die Wachablösung verpasst. Zudem konnte er bisher in Europa kein Major gewinnen. Die Umstellung von den Designer-Kursen der US-PGA- Tour zu den wetteranfälligen Dünenkursen (Links) der British Open fällt ihm schwer. Deshalb holte er sich auch den Rat des englischen Ex-Champions Nick Faldo.

«Die Abschläge kamen wie an der Schnur gezogen. Die Schläger liegen wunderbar in der Hand. Ich habe zu meinem Putt-Gefühl zurückgefunden», prahlte dagegen Woods nach dem ersten Training, «ich gebe zu, ich bin in den Kurs verliebt.» Die Fans hätten ihn wie immer begeistert empfangen, als die Sommerstürme mit bis zu 80 Kilometer pro Stunde sogar die Golfbälle auf den Grüns wegbliesen.