München (dpa) - Beim Münchner Olympia-Projekt geht es drunter und drüber. Die prestigeträchtige Gesellschafterversammlung wurde so statt einer Werbeeinheit zu einem waschechten Krisengipfel:

Bewerbungschef Willy Bogner dementierte eine kolportierte Rücktrittsdrohung, in Garmisch-Partenkirchen tobt ein Bauernaufstand und die Unstimmigkeiten zwischen dem Sport und der Politik belasten die Kandidatur um die Winterspiele 2018 sehr.

Bogner hat von den Politikern finanzielle Unterstützung und ein klares Bekenntnis zur Bewerbung gefordert und damit das ohnehin angespannte Verhältnis weiter strapaziert. Trotzdem soll bei der richtungweisenden Sitzung in München ein Wirtschaftsplan verabschiedet werden. Auch über die Einstellung eines zusätzlichen Spitzenfunktionärs zur Entlastung von Bogner wird nachgedacht.

15 Tage nach der begeistert gefeierten Kür Münchens zur offiziellen Kandidatenstadt ist aus dem geplanten weiß-blauen Wintermärchen 2018 längst ein schlecht inszeniertes Sommertheater geworden. «Es muss jetzt Klarheit geschaffen werden», erklärte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch, «die Dinge sind der Olympia-Bewerbung nicht bekömmlich - sie müssen vom Tisch.»

Nicht nur Seehofer gehen die massiven Querelen gegen den Strich. «Es geht um das Ansehen Bayerns», sagte er, aber ausgerechnet die bayerischen Spitzenpolitiker scheinen sich bei der Geldsuche für die versprochene Privatfinanzierung bisher vornehm zurückzuhalten.

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Bewerbung zu einer «nationalen Aufgabe» ausgerufen, die «wir nach Kräften weiter unterstützen». Bogner hatte in einem Schreiben an die Gesellschafter eine Lösung der Finanzprobleme und lokalpolitischen Konflikte gefordert. Es fehlen noch immer die Unterschriften vieler Bauern, die ihrer Grundstücke für den Bau von Sportstätten oder Parkplätzen zur Verfügung stellen müssten.

Auf das gewünschte Geld vom Steuerzahler werden Bogner und Co. wohl verzichten müssen. Seehofer schloss aus, dass der Freistaat Millionen von Euros für die Bewerbung zuschießt. «Wir wollen an dem Konzept festhalten, dass wir die Bewerbung nicht aus Steuermitteln bestreiten», betonte Seehofer. Noch sind alle beteiligten Partner zumindest öffentlich um Schadensbegrenzung bemüht, doch der Frust steigt mit jedem Tag der Unklarheit.