Berlin/Bonn (dpa) - Tag für Tag schreiben wir uns die persönlichsten Dinge in E-Mails, die so offen lesbar sind wie eine Postkarte. «Wir haben zähneknirschend akzeptiert, dass die E-Mail unsicher ist», sagt der Kieler IT-Experte Asmus Hammer. «Wir behandeln sie aber so, als ob sie sicher wäre.»

Abhfilfe soll eine neue Form der E-Mail schaffen, bei der sich Absender und Empfänger eindeutig identifizieren müssen. Am Mittwoch stellte die Deutsche Post ihr Angebot für dieses «De-Mail»-Verfahren vor.

Der sichere E-Mail-Versand ist auch bisher schon möglich, mit kostenloser Verschlüsselungstechnik wie OpenPGP. Das Verfahren ist aber ein wenig kompliziert, so dass es nur von einer verschwindend kleinen Minderheit verwendet wird. Das soll mit der De-Mail anders werden.

«Mit dem E-Postbrief bringen wir das Briefgeheimnis ins Internet», erklärt Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes, bei der Deutschen Post DHL zuständig fürs Briefgeschäft. Ein solcher Brief sei für Privatpersonen, Unternehmen und Verwaltungen genauso vertraulich und verlässlich wie der herkömmliche Brief, dabei aber so schnell wie eine E-Mail, versichert der Post-Manager.

Allerdings ist der E-Postbrief nicht genauso billig wie die E- Mail: Die Deutsche Post erhebt für den Versand eine Gebühr von 55 Cent - der sichere elektronische Brief ist damit ebenso teuer wie ein Standardbrief. Ein Einschreiben mit Zustellbestätigung kostet 1,60 Euro.

«Für den Absender von Dokumenten muss es attraktiv sein, vorhandene Prozesse zu ändern und auf den elektronischen Versand umzusteigen», sagt Hammer. «Das geht aber nur, wenn auch der Preis stimmt.» Der Kieler IT-Experte beschäftigt sich seit langem mit diesen Themen und gehört der Geschäftsführung des Unternehmens ebills & more an, die einen elektronischen Rechnungsservice anbietet.

Billiger, so ist zu hören, soll die De-Mail bei Wettbewerbern wie GMX oder web.de werden - im Gespräch sind elektronische Briefmarken im Wert von 17 Cent. Bei beiden Anbietern der United-Internet-Gruppe haben sich innerhalb einer Woche mehr als 100 000 Personen ihren eigenen Namen als De-Mail-Adresse gesichert.