Berlin (dpa) - Geringere Ernte - höhere Preise? Die Hitze drückt auf die Ernteergebnisse, und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner befürchtet einen Anstieg der Verbraucherpreise. Der «Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe) sagte er: «Eine gut gewachsene Getreideernte ist vielerorts in den letzten drei Wochen regelrecht auf unseren Feldern verbrannt.»

Die Ernte werde 20 bis 30 Prozent geringer sein als noch vor einem Monat geschätzt. Beim Preisniveau werde es bei Backwaren aber kaum Auswirkungen geben, denn der Anteil des Getreidepreises am Ladenpreis für Brot und Brötchen liege nur noch bei vier Prozent, meinte Sonnleitner. Die «wenig verarbeiteten» Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kartoffeln und Milch könnten jedoch betroffen sein.

Auch nach Einschätzung der Fachverbände zeichnen sich erhebliche Einbußen bei Kartoffeln und Getreide ab. «Die Situation ist in diesem Jahr vielerorts noch bedrückender als in den Trockenjahren 2003 und 2006», berichtete Martin Umhau, Vorstandsvorsitzender der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA), am Mittwoch in Berlin.

Beregnungsanlagen könnten die Pflanzen gerade mal am Leben erhalten. Nach Umfragen unter den Erzeugergemeinschaften werde mit Ertragsausfällen zwischen 10 Prozent und 30 Prozent gerechnet. Aussagen zur Qualität der Knollen seien derzeit noch schwierig. Eine schlechte Nachricht gibt es bereits jetzt für Pommes-frites- Lieberhaber: die dafür verarbeiteten dicken Knollen dürften in diesem Jahr Mangelware sein.

Im Vergleich zum witterungsbedingt günstigen Vorjahr erwartet der Deutsche RaiFFeisenverband knapp 8 Prozent niedrigere Getreideerträge. Geschädigt wurden durch die anhaltende Hitze insbesondere die Weizen- und Maisbestände sowie spät gesäte Sommersaaten. Mit der geschätzten Erntemenge von 44,2 Millionen Tonnen Getreide werde das Vorjahresergebnis um voraussichtlich 5,3 Millionen Tonnen oder 11 Prozent verfehlt. Auch bei Raps veranschlagt der Verband den Durchschnittsertrag witterungsbedingt um etwa 11,5 Prozent niedriger als im Rekordjahr 2009.