Stuttgart (dpa) - Beim «Sahara-Tennis» auf dem Stuttgarter Weissenhof ist Lokalmatador Simon Greul cool geblieben und hat überraschend das Viertelfinale erreicht. Der Weltranglisten-73. gewann bei drückender Wärme sein Achtelfinale gegen den 40 Ränge höher notierten Franzosen Gilles Simon 6:4, 7:5.

Zuvor hatte der an Position zwei gesetzte Österreicher Jürgen Melzer in der Hitze von über 40 Grad Celsius den Hamburger Wildcard-Inhaber Mischa Zverev mit 7:5, 7:5 aus dem mit 450 000 Euro dotierten Turnier geworfen. «Ich bin natürlich sehr glücklich und im Moment auch etwas müde. Das war ein harter Kampf», sagte der nur wenige Minuten von der Anlage entfernt wohnende Greul unter dem Applaus seines Heimpublikums. «Das ist hier schon etwas Besonderes, weil ich die Umgebung und viele Leute kenne. Aber es ist auch ein bisschen Druck, weil ich hier immer etwas gutes zeigen will.»

Auf dem Weg zum ersten Viertelfinal-Einzug beim sechsten Anlauf in seiner Heimatstadt ließ sich Greul nach gewonnenem ersten Satz gegen den an sieben gesetzten Simon im zweiten Durchgang auch von einem frühen Aufschlagverlust nicht aus der Bahn werfen. Nach 1:29 Stunden verwandelte der 29-Jährige seinen dritten Matchball mit einem Ass. Im Viertelfinale trifft er auf den früheren Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero (Spanien) oder Horacio Zeballos (Argentinien).

Greuls Entschlossenheit dürfte auch Patrik Kühnen gefallen haben. Der Davis-Cup-Teamchef hatte wenige Stunden zuvor noch die Bedeutung der Heimturniere in Stuttgart und Hamburg als Nominierungskriterium für das Relegationsspiel im September gegen Südafrika betont.

In der Begegnung zuvor machte das Wetter beiden Kontrahenten noch mehr zu schaffen. «Die Hitze ist schon extrem. Ich muss ehrlich zugeben, da macht es auch wenig Spaß. Ich habe versucht, irgendwie in der Partie zu bleiben und ein Dreisatz-Match zu vermeiden», sagte Melzer nach dem Brutkasten-Duell gegen Zverev, in dem sich beide bei den Seitenwechseln mit Eisbeuteln um etwas Abkühlung bemühten.

Der in der Weltrangliste auf Rang 150 geführte Zverev wehrte sich tapfer gegen den French-Open-Halbfinalisten, musste aber am Ende die Überlegenheit des Favoriten anerkennen. «Gegen Melzer auf Sand ist es schon sehr schwer. Er hat einfach keine Schwachpunkte», sagte Zverev. «Ich bin zwar enttäuscht und traurig und kann nicht zufrieden sein, aber ich denke, ich habe hier in Stuttgart nicht schlecht gespielt.»

Im Viertelfinale trifft Melzer nun auf den an Position fünf gesetzten Spanier Albert Montanes. Nach seinem Auftakterfolg gegen Wimbledon-Doppelsieger Philipp Petzschner (Bayreuth) gewann der Weltranglisten-30. sein Zweitrunden-Match gegen Juan Ignacio Chela aus Argentinien 7:5, 3:6, 6:2. Für Montanes ist das Kräftemessen mit Melzer das fünfte ATP-Viertelfinale in diesem Jahr.