Berlin (dpa) - Trotz massiver Proteste der Fluggesellschaften macht die Bundesregierung ernst mit einer neuen Ticketabgabe: Von kommenden Januar an könnten Passagiere bis zu 26 Euro mehr bezahlen.

Das geht aus dem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums hervor, der der Deutschen Presse-Agentur dpa am Donnerstag in Berlin vorlag. Danach sollen für Flüge von deutschen Flughäfen aus auf Inlandslinien sowie innerhalb Europas und nach Nordafrika 13 Euro je Fluggast als Steuer erhoben werden - unabhängig von der Airline. Für Langstreckenflüge aus Deutschland könnten 26 Euro fällig werden.

Die deutschen Fluggesellschaften gehen davon aus, dass das Fliegen teurer wird, sollte die Steuer wie geplant kommen. Auch die Bundesregierung erwartet, dass die Abgabe auf die Ticketpreise aufgeschlagen wird. Die Mehreinnahmen von jährlich einer Milliarde Euro will Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur Etatsanierung nutzen. Die Luftfahrtsteuer ist Teil des Sparpakets.

Airlines und Flughäfen warnen, dass selbst geringe Zuschläge auf den Ticketpreis dazu führen könnten, dass Reisende weniger fliegen. Erfahrungen anderer Länder mit ähnlichen Steuern zeigten auch, dass Passagiere auf benachbarte ausländische Flughäfen auswichen, um Kosten zu sparen. Einige Fluggesellschaften hatten mit Abwanderung gedroht. In Deutschland seien tausende Arbeitsplätze gefährdet. Kritik kommt aber auch aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition.

Die Abgabe wird bei Abflug von einem deutschen Flughafen erhoben. Hin- und Rückflüge in Deutschland würden also zweimal besteuert, Auslandsflüge nur einmal. Passagiere, die in Deutschland umsteigen und keine längeren Zwischenstopps einlegen, werden nicht besteuert. Auch geht es um den «Zielflugplatz»: Bei einem Flug etwa von Berlin via Frankfurt nach New York würden demnach einmalig 26 Euro fällig.

Von der Steuer befreit werden sollen Kinder unter zwei Jahren, wenn sie keinen eigenen Sitzplatz haben. Verschont werden auch nichtgewerbliche Flüge - etwa Privat- oder Sportflieger. Sie zahlen bereits eine Kerosinsteuer. Aktien von Lufthansa, dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und von Air Berlin notierten im Minus.

Beim deutschen Branchenprimus Lufthansa hieß es: «Die Luftverkehrssteuer bedeutet einen Export von Arbeitsplätzen ins benachbarte Ausland und eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes Deutschland.» Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin befürchtet massive Wettbewerbsverzerrungen. «Dieser Gesetzentwurf übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen», sagte ein Sprecher.