München (dpa) - Bei der tödlichen Attacke zweier Jugendlicher auf den Manager Dominik Brunner hat nach Aussage von Zeugen niemand dem Opfer geholfen.

Sie hätten am Münchner S-Bahnhof Solln Passanten angesprochen, dass sie helfen sollten, berichteten die Schüler Marcel L., Sarah P. und Anja W. am Donnerstag vor dem Landgericht München I. «Sie haben nichts gemacht, nur gesagt, dass sie aufhören sollen», beschrieb Marcel die Reaktion der Passanten. Brunner hatte die Schüler vor den beiden Angeklagten Sebastian L. (18) und Markus S. (19) schützen wollen. Die Angeklagten müssen sich wegen Mordes vor einer Jugendkammer verantworten.

Auch der Zugführer der S-Bahn habe nicht auf die Schlägerei reagiert, sagte Marcel. «Wenn der vielleicht was gemacht hätte, wäre es vielleicht anders gelaufen.» Sie seien am S-Bahnhof Donnersberger Brücke von den Angeklagten und einem weiteren Jugendlichen bedroht worden, schilderten Marcel (16), Anja (15), und Sarah (14) wie am Vortag der 15-jährige Richard M. vor Gericht den Beginn der Streiterei. Das aggressive Trio habe Geld verlangt und Marcel und Richard geschlagen. «Der Ton wurde immer aggressiver», sagte Marcel. Als ihnen die beiden Angeklagten in die S-Bahn folgten, habe Brunner seine Hilfe angeboten und die Polizei alarmiert.

Brunner, die Schüler und die beiden Angeklagten stiegen dann am Bahnhof Solln aus. Brunner sei ein paar Schritte nach vorne gegangen, habe Kampfhaltung eingenommen, schildern die Schüler die Momente vor der tödlichen Eskalation. «Die zwei sind uns gefolgt. Herr Brunner hat seine Jacke ausgezogen und hat gesagt, wir sollen uns raushalten - da sind die beiden auf ihn zugekommen», berichtet Sarah. «Dominik Brunner hat sich die ganze Zeit nur verteidigt.»

«Ihr wollts nicht anders», sagte Brunner laut Marcel. «Ich habe schon gedacht, dass er irgendwas tut, weil er ihnen entgegengegangen ist», sagte der Schüler. Die 15-jährige Anja hingegen will gehört haben, dass Brunner die Jugendlichen zum Gehen aufforderte.

Um sich zu verteidigen, habe der Manager den ersten Schlag gesetzt und Markus S. im Gesicht getroffen, sagte Marcel. Danach sei Markus S. «total ausgeflippt», er habe nach dem Schlag geblutet und geschrien. Aus seinem Rucksack habe er einen Schlüssel genommen, diesen zwischen die Finger der Faust gesteckt und sei damit zusammen mit Sebastian L. auf Brunner losgegangen, berichteten die Schüler. Die beiden hätten auch noch auf Brunner eingeschlagen, als dieser auf dem Boden lag. Er habe dennoch nicht erwartet, dass Brunner tödlich verletzt sein könnte, sagte Marcel. Sebastian L. habe Markus S. schließlich weggezogen.

Die Verteidigung hofft, dass der Mordvorwurf wackeln könnte, weil Brunner den ersten Schlag tat. «Das dreht sich jetzt», sagte Jochen Ringler, der Verteidiger von Sebastian L. Der Anwalt meinte, Brunner und die Schüler hätten nach dem Aussteigen in Solln den Bahnsteig versperrt, so dass die Angeklagten nicht einfach vorbeigehen konnten.